Weingut Karl May, Osthofen (Rheinhessen)

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Der Name des Weinguts in Rheinhessen klingt nach einem Marketing-Gag: Karl May. Der Betrieb liegt aber nicht im Wilden Westen, sondern im Wonnegau. Aber der Senior-Chef des Betriebs heißt tatsächlich Karl May. Der Silver Ager hat den Betrieb an seine beiden Söhne, die „Blutsbrüder“ Peter und Fritz May, übergeben.

 

Die Familie May betreibt seit 1815 Weinbau im historischen Liebenauer Hof. Das stattliche Anwesen in Osthofen wurde seither vom Keller bis zur Vinothek immer wieder modernisiert und ausgebaut. Sogar über ein Trauzimmer verfügt der Liebenauer Hof.  

 

Eine Verkostung in der sehenswerten Vinothek wird durch die fachkundige Moderation von Blutsbruder Peter May zum Erlebnis. Man sitzt an einem stilvoll dekorierten Tisch und genießt zum Wein regionale Schmankerln (etwa Spundekäs aus dem Wonnegau).

 

Das Weingut Karl May bewirtschaftet seine 32 Hektar Betriebsfläche ökologisch. Das umfangreiche Sortiment gliedert sich in Guts-, Orts- und Lagenweine. Daneben gibt es Sekt, die Linie Blutsbruder, im Holzfass gereifte Reserve-Weine und edelsüße Spezialitäten. Hier eine Auswahl des aktuellen Sortiments:

 

-        Riesling

 

Der 2024er Gutswein ist stoffig, gut balanciert, hat gelbe Frucht und milde Säure. Der 2023er Ortswein Osthofen hat mehr Schmelz und Rasse. Der Kalkmergel und der Löss des Goldbergs kommen im Osthofener voll zur Geltung.

 

Bei den Spitzen-Rieslingen sind die Lagenunterschiede präzise herausgearbeitet. Der 2023er Morstein wird geprägt durch die Mineralität der berühmten Lage, versprüht Feuerstein, Zündelholz und hat einen pfeilgeraden Grip. Der 2022er Osthofener Goldberg hat leichte Petrol-Anklänge. Die in der historischen Lage stehenden, 40 Jahre alten Reben sind die Grundlage für tiefgründige Reife und Wärme. Der Kalkmergel bringt exotische Früchte und eine schöne Länge. Der im Holzfass ausgebaute 2019er Bechtheimer Geyersberg wächst auf Löss-Lehm mit hohem Kalkanteil. Der Riesling hat eine kraftvolle Struktur und eine angenehme Cremigkeit. Man schmeckt Fruchtaromen wie Steinobst und Limette.

 

-        Weiße Burgunder

 

Schon der 2024er Weißburgunder Gutswein aus dem Stahltank überzeugt mit gelber Frucht, Fülle und Eleganz. Mandelaromen und kalkige Mineralität treten hinzu. Hervorragend präsentiert sich der 2024er Grauburgunder Osthofen, der im Tonneau ausgebaut wurde. Ausgeprägte Frucht, Frische und edle Noblesse. Klare Kaufempfehlung!

 

Der neue 2024er Gutswein-Chardonnay präsentiert sich für einen Basiswein auf erstaunlichem Niveau. Ausgebaut im Tonneau und nach biologischem Säureabbau entstand ein außergewöhnlicher Basiswein. Der 2022er Chardonnay Reserve reifte 1,5 Jahre im Holzfass (50% neues Barrique, 50% gebrauchtes Barrique) und 1 Jahr in der Flasche. Ein hochwertiger Chardonnay für die gehobene Küche. Schöne Balance und Brillanz. Birne, Limette, aber auch fein ziselierte Mineralität vermählen sich in wunderbarer Harmonie.

 

-        Rote Burgunder

 

Einen guten Einstieg ins rote Segment bietet der 2021er Osthofener Pinot Noir. Rote Johannisbeere und Sauerkirsche prägen das Geschmacksbild. Die präsente Säure sorgt für Frische. Eine Liga höher spielt der 2021er Geyersberg Pinot Noir. Ausgewogener Pinot mit Tiefe und Eleganz. Saftige Komplexität mit Aromen nach Johannisbeere und Kirsche. Auch der 2021er Frühburgunder Vordere Mulde überzeugt mit wilder Frucht und kühler Stilistik.

 

-        Rote Reserve-Weine

 

Eine weitere Steigerung bringen die roten Reserve-Weine aus internationalen Rebsorten. Der 2020er Cabernet Sauvignon verfügt über Würze und Kraft. Für diesen Preis ein Schnäppchen. Der 2022er Großer Bruder würde jeden Indianer zum Tanzen bringen. Die Cuvée aus Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot hat bei aller Dichte eine belebende Kühle. Aus dem herausragenden Rotwein-Jahrgang 2022 kommt der reinsortige Cabernet Franc. Wunderbar weiche Tannine, schöne Frucht und seidige Eleganz. Ganz klar „Best of Show“!

 

-        Sonstige Weine

 

Als Zugabe präsentiert Peter May im edelsüßen Bereich einen 2024er Riesling Kabinett und die 2018er Huxelrebe Auslese. Auch hier sind Könner am Werk. Nicht zu vergessen ist der 2015er Sekt Grande Cuvée. Die Reserve hat eine feine Perlage und schöne Hefe-Note.

 

Rheinhessen litt lange Jahre unter dem Image als Produzent billiger Massenweine (Stichwort Liebfrauenmilch). In den letzten 20 Jahren haben es Riesling-Stars wie Klaus Peter Keller und Philipp Wittmann geschafft, Riesling aus Rheinhessen in die absolute Weltklasse mit entsprechenden Preisen zu führen. Diese Vorbilder lösten in Rheinhessen einen breiten Qualitätsschub aus. So entstand etwa die Winzervereinigung Maxime Herkunft Rheinhessen, in der heute zahlreiche hervorragende Winzer vertreten sind. Das Weingut Karl May ist ein Paradebeispiel für diese positive Entwicklung.

 

Das Weingut Karl May überzeugt vom Basis- bis zum Spitzenwein im weißen und roten Segment. Schon die Basisweine haben eine ausgezeichnete Qualität. Die Charakteristik der einzelnen Rebsorten ist gekonnt abgebildet. Die Lagenunterschiede sind gerade bei den Spitzen-Rieslingen präzise vinifiziert. Die Weine haben ein kundenfreundliches Preis-/Genuss-Verhältnis. Der Betrieb ist ein Traditionsweingut, das mit Weitblick, Tatkraft und Engagement zu einer Top-Adresse in Rheinhessen entwickelt wurde.

 

Der Name Karl May und Weine wie Blutsbruder, Großer und Kleiner Bruder helfen sicher, die Aufmerksamkeit für die Weine des Weinguts zu erregen. Auf Dauer bleibt ein Weingut aber nur erfolgreich, wenn neben dem Marketing auch die Weinqualität stimmt. Und genau dies ist Im Weingut Karl May bei jedem Wein der Fall.

Hugh, ich habe gesprochen!

 

Kontaktdaten

Weingut Karl May

Ludwig-Schwamb-Str. 22

67574 Osthofen

Tel.: 06242/2356 

Mail: [email protected]

Internet: www.weingut-karl-may.de

 

Weingutportrait von Manfred Beismann, November 2025