2020  Riesling Hattenheimer                                                     

Weingut Dr. Corvers-Kauter, Oestrich-Winkel (Rheingau)

9,90 Euro

Ein lauer Sommer-Abend im Rheingau: Wir sitzen unter schattigen Bäumen im Gutsausschank des Weinguts Dr. Corvers-Kauter in Oestrich-Winkel. Zu einer „Gezupften Wutz“ trinke ich einen 2020er Hattenheimer Riesling. Das Leben kann schön sein.

 

Der Hattenheimer und der Rüdesheimer sind die beiden Ortsrieslinge des Weinguts. Während beim Rüdesheimer die säurebetonte Mineralik der Rüdesheimer Lagen dominiert, steht beim Hattenheimer die Frucht im Vordergrund. Ein süffiger, blass gelber Riesling mit einer Nase nach Pfirsich. Am Gaumen dann druckvolle Finesse mit Noten nach Weinbergpfirsich, Mirabellen und Melonen. Die Struktur ist eher erdig und „dunkel“. Ein richtiger „Saufwein“ mit erfrischendem Grip, von dem man nicht genug bekommt.

 

Corvers-Kauter ist ein expandierender Betrieb und eines der aufstrebenden Weingüter im Rheingau. Man kann das Sortiment aus den besten Lagen des Rheingau saußer im Weingarten auch in der modernen Vinothek verkosten. Das Weingut Corvers-Kauter verfügt über eine fein abgestimmte Riesling-Phalanx. Nach den überaus schluckigen Ortsweinen mit beachtlichem Niveau folgen Lagenweine, bei denen die Lagentypizität schmeckbar herausgearbeitet wird. An der Spitze stehen dann die Großen-Lage-Rieslinge, die aus den Top-Lagen des Rheingaus kommen und in der Gebietsspitze mithalten können. Bei aller Riesling-Euphorie sollte man nicht vergessen, dass Corvers-Kauter auch hervorragende Spätburgunder im Angebot hat, die qualitativ zumindest gleichwertig sind.

 

Ein Besuch im Weingut und im Gutsausschank ist uneingeschränkt zu empfehlen.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juli 2021 


2020  Riesling Gelblack                                                           

Weingut Schloss Johannisberg, Johannisberg (Rheingau)

15,50 Euro

 

 

 

Schloss Johannisberg, welch ein schillernder Name!

 

Der Inbegriff deutscher Weinkunst und das erste Riesling-Weingut seit 1720 auf der Welt. Exakt auf dem 50.Breitengrad gelegen, verkörpert dieser Wein den typischen Rheingauer Riesling. Frucht, Eleganz und Würze sowie eine schier unendliche Lagerfähigkeit zeichnen diese Weine aus.   

 

Hier liegt wohl auch die Geburtsstunde der Spätlese, die eher durch Zufall 1776 erzeugt wurde. Ein Kurier, der eine Leseerlaubnis einholen wollte, hatte sich um 8 Tage verspätet. Die Trauben die zwischenzeitlich von Edelfäule befallen waren, wurden trotzdem gekeltert. Man stellte fest, dass der Wein großartig schmeckte! Ein Denkmal des „Spätlesereiters“ kann man als Beweis im Schlosshof des Johannisberges besichtigen.

 

Bereits im Jahre 772 soll Karl der Große der Legende nach beobachtet haben, dass der Schnee auf dem Johannisberg als erstes schmolz und dabei die Idee gehabt haben hier Wein anzubauen. Seit dem 1700 Jahrhundert gibt es lückenlose Aufzeichnungen über Lesebeginn, Erntemengen sowie Erntequalität.

Die verschiedenfarbigen Kapseln geben Auskunft über die Prädikatsstufen, welche von „Gelblack“ bis  „Blaulack“ reichen. Um das Jahr 1900 lagen die Preise für eine Flasche Schloss Johannisberger „Rosalack“ (Auslese) über denen der größten Bordeaux-Weine. Heute umfasst das VDP-Weingut 50 Hektar, die zu den besten des Rheingaues zählen. Da Schloss Johannisberg ein eigener Ortsteil von Geisenheim ist, darf es nach dem Weingesetz von 1971 den Lagennamen „Schloss Johannisberg“ ohne Ortsbezeichnung führen.

 

Jeder ambitionierte Weintrinker sowie Romantiker*in sollte einmal in seinem Leben auf der Schlossterrasse mit atemberaubendem Blick über den Rhein ein Glas Riesling trinken. Aber aufgepasst… ein Glas Wein gibt es hier nicht für den kleinen Geldbeutel! Heinrich Heine schrieb einmal: „Wenn ich Berge versetzen könnte – der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe!“

 

Aber nun zum Wein, dem 2020er Schloss Johannisberger „Gelblack“ trocken. In der Farbe jugendlich vital mit hellen Reflexen. Doch was für eine Nase: der Wahnsinn! Der pure Duft nach Frühlingswiese, nach einem frisch gepflückten Obstkorb, ein Füllhorn an Exotik und schierer Frucht. Eine unglaublich frische Brise nach Leben, Lust und Unbeschwertheit.

 

Bereits beim ersten Schluck von dem Wein spürt man die Wildheit und das Ungezügelte. Stürmisch und druckvoll füllt der „Gelblack“ den Mund aus, zarte Anklänge von Ananas und Mandarine sowie allgegenwärtig und vordergründig grüne Limetten. Die Säure ist altersbedingt noch deutlich spürbar, aber nicht unangenehm. Grüne Noten stören dabei in keiner Weise den Trinkfluss. Der Riesling präsentiert sich bereits unkompliziert, präsent sowie mit hoher Komplexität.

 

Diesem jungen 2020er „Gelblack“ Riesling gehört die Zukunft und sollte in keinem Weinkeller fehlen. In fünf bis zehn Jahren wird er seinen Zenit erreicht haben und verspricht dabei sehr viel Trinkgenuss.

 

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, März 2021    


2019 Riesling Forster Jesuitengarten                                                                

Weingut Margarethenhof, Forst (Pfalz)      

16 Euro

Die berühmtesten Weinlagen der Pfalz liegen in Forst an der Mittelhardt. Neben dem Ungeheuer, dem Kirchenstück und dem Pechstein gibt es noch den Jesuitengarten. Die Lage wurde nach den früheren Eigentümern, einem Jesuitenkloster, benannt. In dieser Spitzenlage verfügt auch die Neuentdeckung des VINUM, der 17 Hektar große Margarethenhof über Rebflächen. Der Jesuitengarten verfügt über Lehmböden mit Sandsteingeröll und Basaltanteilen.

 

Wir probieren heute den Spitzenriesling des Margarethenhofs: einen Jesuitengarten aus 2017. Der Wein zeigt sich In Goldgelb mit grünen Reflexen. In der Nase entdecken wir zunächst Aromen nach exotischen Früchten und mineralischen Steinnoten. Am Gaumen schmeckt man einen hochwertigen, komplexen Riesling, der durch Vielschichtigkeit und Cremigkeit überzeugt. Exotische Fruchtaromen nach Maracuja, Aprikose und Pfirsich füllen den Mundraum vollständig aus.  Hinzu kommen die mineralischen Basaltnoten, das Markenzeichen der Forster Lagen. Die dunkel gewobene Dichte gepaart mit einer vitalen Frische zeugen von einem absoluten Charakterwein.

 

Der Jesuitengarten des Margarethenhofs braucht sich vor den Spitzenrieslingen der Forster Top-Weingüter nicht zu verstecken. Und die Preise liegen im Vergleich deutlich niedriger. Wenn der Margarethenhof in den nächsten Jahren so weitermacht, wird eher mittelfristig zur Spitze an der Mittelhardt aufschließen können.    

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, November 2020 


2019 Riesling Fass 6

Weingut Peter Lauer, Ayl (Mosel/Saar)

12,80

 

Alljährlich, wenn im launischen Monat April die ersten Sonnenstrahlen die noch blasse Haut wärmen,

beginnen in den 13 deutschen Anbaugebieten die Jahrgangspräsentationen.

Doch in Zeiten der Corona-Pandemie: Fehlanzeige. Was also tun?


Das kleine VDP-Weingut Peter Lauer aus Ayl hat eine Antwort in Form einer häuslichen Frühlingsverkostung des neuen Jahrgangs. Florian Lauer bietet sechs verschiedene 2019er Rieslinge an, im Geschmacksbild trocken bis

feinfruchtig. Ich starte mit meinem Lieblingswein Fass Nr.6 trocken bis feinherb:


Die 46 Jahre alten Reben sind auf Schiefer gewachsen, was man dem Rebensaft auch deutlich anmerkt. Wilde Hefen in der Nase, jugendlich frisch und stürmisch kommt der Wein daher.
Explosionsartig breitet sich der Riesling im Mund aus und ist dabei dennoch schön ausbalanciert.

Vordergründig Mandarine und Limone, dann ein Hauch Litschi und im Abgang Feuerstein pur!
Trotz seiner Jugend ein nahezu perfekter Wein mit immenser Präsenz.


Für einen Augenblick habe ich die Corona-Krise vergessen!


Weinempfehlung von Heinz Fuchs, April 2020


2019 Riesling Naumburger Steinmeister GG                                                        Weingut Hey, Naumburg (Saale-Unstrut)

28 Euro

Können die Weine aus den neuen Ländern - 30 Jahre nach der Wende - mit den Spitzengewächsen der alten Länder mithalten?

 

Zunächst spielen die östlichen Anbaugebiete Saale-Unstrut und Sachsen schon flächenmäßig eine eher untergeordnete Rolle in Deutschland. Im Eliteverband VDP haben die beiden Anbaugebiete einen gemeinsamen Regionalverband gebildet, in dem lediglich fünf Spitzenwinzer aus diesen Regionen Mitglied sind. Der neue Shooting-Star in diesem erlauchten Kreis ist der junge Naumburger Winzer Matthias Hey.

Spitzenwein des nur 6 Hektar großen Betriebs ist der Riesling Naumburger Steinmeister. Der 2019er Steinmeister zeigt bereits kräftiges Goldgelb. In der Nase präsentiert das Große Gewächs individuelle Aromen nach Banane und Feuerstein. Am Gaumen bringt der Verwitterungskalk des Steinmeisters eine würzige, leicht salzige Grundnote hervor. Darauf entwickeln sich Aromen nach Banane, weißen Blüten, Litschi und Holunder. Der Holzausbau verleiht dem Riesling eine elegante Cremigkeit.

 

Das Große Gewächs von Matthias Hey zeigt große Individualität auf hohem Niveau. Der Steinmeister kann damit die breite Phalanx deutscher Spitzen-Rieslinge sicher bereichern. Matthias Hey ist das Aushängeschild für den zarten Aufschwung des Weinbaus im Anbaugebiet Saale-Unstrut. Das Gebiet hat nicht nur im Weinbau, sondern auch in den Bereichen Kultur, Natur und Kulinarik Einiges zu bieten. Für westliche Weinzähne, die an Rhein und Mosel schon alles gesehen haben, bietet sich Naumburg und Saale-Unstrut für einen Kurzurlaub an. Und ein Besuch im Weingut Hey sollte bei dieser Tour in jedem Fall auf dem Programm stehen.

   

Weinempfehlung von Manfred Beismann, März 2021                 

 


2019  Riesling „Der Sommer war sehr groß"                                                     

Weingut Franzen, Bremm (Mosel)

12 Euro

Pathetischer Name für einen Riesling?

 

Mitnichten! Das Lagen-Cuvée, aus verschiedenen Toplagen des Weingutes Franzen, vereint alle Vorteile der einzelnen Lagen in dem Wein. Und da jeder Sommer anders ist, fällt auch der 9. Jahrgang dieses Ausnahme-Weines anders aus als alle seine Vorgänger!

 

Fast ist es so, als ob man den Sommer, mit all den Sonnenstrahlen, dem Wind und dem Regen, mit all seinen Gefühlen, in die Flasche gefüllt hätte. Der Genießer schmeckt förmlich den Sommer und freut sich auf den nächsten…

 

Das Weingut Franzen mit der spektakulären Lage „Bremmer Calmont“, der steilsten Weinberglage Europas, betreibt seit Jahrhunderten Weinbau an der Terrassenmosel. Ulrich Franzen, der leider durch einen tragischen Unfall im Weinberg starb, legte Anfang der 80ziger Jahre, den Grundstein für das heutige Weingut. Sein Sohn Kilian und dessen Frau Angelina setzen die Erfolgsstory fort und führten das 10 ha Weingut an die Gebietsspitze.

 

500 Meter Schienen der Monorack-Bahn im Bremmer Calmont, eine 65 Grad Steigung im Weinberg sowie die Erneuerung und der Erhalt der Terrassenmauern zeugen von den ungeheuren Anstrengungen des Ehepaares, um guten Wein zu erzeugen. Jede einzelne Flasche der 90.000 Flaschen Wein, die das Weingut Franzen jährlich erzeugt, ist ein Unikat und der Natur in mühevoller Handarbeit abgerungen.

 

Der 2019er Riesling ist in der Nase verhalten und schüchtern. Doch bereits beim ersten Schluck breitet sich der trockene Wein schmeichlerisch auf der Zunge aus. Die verhaltene Säure ist dabei untypisch für die Mosel, jedoch durchaus gewollt. Primäraromen wie Limonen und Veilchen entzücken den Genießer, im Abgang dann Litschi und reife Melone sowie ein Hauch weißen Pfeffer im Abgang. Der 2019er „der Sommer war sehr groß“ präsentiert sich insgesamt sehr fruchtbetont, weich und rund.

 

Ein „Schüttwein“, der nicht so schnell satt macht und durchaus auf eine zweite Flasche einlädt. Für gerade einmal 12,- Euro ist er zudem ein wahres Schnäppchen!

 

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, Februar 2021 


2019  Riesling Kabinett trocken                                                    

Weingut Carl Ehrhard, Rüdesheim (Rheingau)

9,50 Euro

Größer kann die Bandbreite im berühmten Rüdesheim nicht sein: Auf der einen Seite „urige“ Weinlokale mit Touristen-Massen in der Drosselgasse und fragwürdigen Mainstream-Weinen, auf der anderen Seite der absolute Winzer-Individualist mit naturnahen Weinen: Carl Ehrhard. Der Winzer führt mich zu Beginn meines Besuchs von seiner schön gestalteten Vinothek über eine Wendeltreppe direkt in die Gewölbekeller. Dort kann man die Philosophie des Hauses auch optisch erkennen: Individueller Ausbau in Holzfässern. Carl Ehrhard hat sich zur Aufgabe gemacht, die alten Gewann-Lagen aus der Zeit vor dem Weingesetz 1971 wieder getrennt auszubauen und für den Weinfreund schmeckbar zu machen. Dabei sind selektive Handlese, schonende Verarbeitung mit Korbpresse, Spontanvergärung und Holzfassausbau selbstverständlich. Inzwischen haben auch die Weinführer Vinum und Eichelmann die Brillanz der Ehrhard-Weine erkannt und den Winzer als Aufsteiger des Jahres ausgezeichnet.

 

Wunderbarer Einstieg in die Ehrhard-Weinwelt ist der trockene Riesling Kabinett aus 2019. Der Riesling entstammt von jungen Reben aus den Lagen Bischofsberg, Roseneck und Kirchenpfad. Die Lagen werden getrennt in Edelstahl- und Holzfässern ausgebaut. Die leichte Sponti-Nase wird im Laufe der Zeit von floralen Noten und Aromen nach weißem Pfirsich verdrängt. Dabei wird die Stilistik der Ehrhard-Weine schon klar erkennbar: Es stehen nicht grelle Primäraromen im Vordergrund, sondern eine „Traubigkeit“ mit dichter Struktur. Es entwickeln sich Noten nach Feuerstein, gelbe Noten wie Mirabelle, Pfirsich und Pampelmuse. Kein Lautsprecher, sondern ein Riesling mit grundsolider Fülle. Auch diesem Einstiegswein stehen noch einige Jahre mit positiver Entwicklung bevor. Für Freunde bodenständiger Traditionsweine ist der wertige Kabinett ein Muss.

 

Nach dem Kabinett führt mir Carl Ehrhard an Hand seiner umfangreichen Riesling-Kollektion das vielfältige und vielschichtige Lagen-Portfolio in Rüdesheim vor. Immerhin gab es vor 1971 über 100 Lagen in Rüdesheim. Am Ende der Probe glaube ich jede Scholle in und um Rüdesheim zu kennen. Darüber werde ich aber in folgenden Weinempfehlungen berichten.

 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juli 2021


2019  Riesling Alt Scheidt                                                           

Weingut Lauer, Ayl (Mosel/Saar)

11 Euro

Es war eines der wenigen positiven Wein-Erlebnisse im Corona-Jahr 2020. Der Saar-Riesling-Sommer fiel zwar aus, die einzelnen Weingüter boten ihren treuen Kunden aber Spezial-Verkostungen unter Beachtung der Hygiene-Standards. So auch Florian Lauer in Ayl, der seinen aktuellen Jahrgang angemeldeten Besuchern bei gutem Wetter überwiegend im Freien anbieten konnte.

 

Zum Einstieg verkosteten wir den feinherben Riesling Alt-Scheidt aus dem Jahrgang 2019. Früher stammte dieser Riesling aus dem Ayler Scheidterberg. Dieser Weinbergs-Name ist leider verschwunden. Trotzdem hat Florian Lauer den Namen für seinen leichtesten Riesling beibehalten.

 

Der goldgelbe Riesling ist ein wahrer Schüttwein. Bei einer Restsüße von 20 Gramm Restzucker ist er nicht zu süß und gut trinkbar. Neben der typischen Schiefer-Mineralik präsentiert der Riesling satte Frucht nach grünem Apfel und Limette. Die Maischestandzeit bringt eine gewisse Cremigkeit. Der Säurenerv sorgt für eine belebende Frische. Ein beschwingter Alltagswein, der bereits zum Frühstück, aber auch zum nachmittäglichen Rhabarberkuchen passt.

Ein wunderbarer Einstieg in die vielfältige Welt der Lauer-Weine. Der nächste Sommer kann kommen.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2020