2017 Chardonnay Langhe Educato

Weingut Elio Grasso, Monforte d’Alba (Piemont/Italien)

19,50 Euro

 

  

 

 

Piemont, die Genießer-Region Italiens liegt südlich von Turin. Neben dem legendären Trüffel sorgen hier vor allem vorzügliche Rotweine wie Barolo, Barbaresco und Barbera für positive Schlagzeilen. Nur Spezialisten wissen, dass aus dem Piemont auch gute Weißweine kommen. Dazu gehören wunderbare Chardonnays wie der Educato aus dem Weingut Elio Grasso.

 

Das Weingut Elio Grasso wurde 1978 gegründet und bewirtschaftet 18 Hektar Reben in Monforte d’Alba. Auch bei Grasso stehen Rotweine wie Barolo im Vordergrund. Aber bereits seit 1990 produziert Grasso auch Chardonnay. Die Reben wachsen in einer Südost-Lage des Langhe auf 380 – 400 Höhenmetern. Die von Hand gelesenen Trauben werden teilweise im Stahltank und im Holzfass ausgebaut.

 

Der Chardonnay präsentiert sich in mattem Goldgelb. Die zurückhaltende Nase offenbart mineralische und gelbfruchtige Akzente. Am Gaumen dominieren eine fast ölige Viskosität und enorme Dichte, die von 14 Prozent Alkohol getragen werden. Kalkige Kreide-Mineralität mit verschiedenen sanften Aromen im Hintergrund: weiße Blüten, etwas Pfirsich und eher grüne Frucht. Im weiteren Verlauf schmeckt man Quitte, frühreife Banane und Blütenhonig. Ein vollmundiger Wein mit guter Länge.  

 

Der Educato ist ein ausgewogener Chardonnay, der den Charakter des Piemont sehr schön unterstreicht. 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Mai 2020 


2016 Chardonnay Unteröwisheimer Kirchberg

Weingut Klumpp, Bruchsal (Baden)

21 Euro

 

Der Platzhirsch unter den Weinbaubetrieben im badischen Bruchsal, das Weingut Klumpp, besitzt auch zahlreiche Rebflächen in den Umlandgemeinden des Kraichgaus. Darunter befinden sich auch Rebanlagen im

Unteröwisheimer Kirchberg. Betriebsgründer Uli Klumpp hat nach intensiven Bodenuntersuchungen die optimalen Rebsorten für die einzelnen Flächen ausgewählt. Bei den facettenreichen Bodenformationen im Kraichgau ist dies besonders wichtig. Die unterschiedlichen geologischen Verhältnisse erklären auch die Sortenvielfalt vieler Betriebe in der Region.

 

Die Südlage Unteröwisheimer Kirchberg besteht aus Kalksandstein mit einer mächtigen Lössauflage. Wegen der ausgeprägten Mineralität ist der Kirchberg für Chardonnay bestens geeignet. Der 2016er Kirchberg ragt aus der Weißweinkollektion im Weingut Klumpp heraus. Die Farbe mit blassem Goldgelb und grünlichen Reflexen verspricht zunächst nichts Außergewöhnliches. Aber bereits die Nase mit rauchigen, komplexen Noten nach

gelben Früchten mit floralen Anklängen lässt einen tiefgründigen Spitzenwein erahnen. Im Mund zeigt der im Barrique ausgebaute Chardonnay dann endgültig seine ganze Klasse. Vielschichtige Aromen nach Mandeln, Honig, Mirabellen, Vanille und Hyazinthen sind Ausprägungen einer buttrigen Eleganz. Molliges Volumen

versinkt in weicher Harmonie. Das noch spürbare Holz ist schon wunderbar in die mineralische Grundstruktur des Chardonnay integriert. Trotz seiner Komplexität und Fülle wirkt der Burgunder keineswegs fett, sondern animiert stets zum nächsten Schluck. Ein Wein für die festliche Tafel.

 

Uli Klumpp hat seit einigen Jahren Unterstützung durch seine Söhne Markus und Andreas. Das Trio produziert im exklusiven Neubau am Bruchsaler Stadtrand ausgezeichnete Weiß- und Rotweine, die regelmäßig

Top-Bewertungen in den einschlägigen Weinführern erhalten.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Februar 2019 


2016 Chardonnay Bramito
Weingut Antinori, Castello della Sala (Umbrien, Italien)
15,90Euro

 

Bramito: Nach dem Brunftschrei des Hirschs hat das italienische Weingut Antinori seinen Chardonnay benannt. Das für seine toskanischen Rotweine wie Tiganello oder Solaia bekannte Weinimperium produziert auch sehr gute Weißweine. Das in der 27. Generation im Weinbau tätige Haus Antinori hat sich längst zum Global Player entwickelt. Während sich der normale Weinfreund einige Flaschen für ein ausreichendes Rebsorten-Sortiment in den Keller legt, erwirbt man bei Antinori gleich ganze Weingüter, um für jeden Anlass hauseigene Weine im Portfolio zu haben. So steht das bei Orvieto in Umbrien gelegene Weingut Castello della Sala für die Spitzenweißweine des Hauses. Bereits 1940 hat der Vater von Piero Antinori das idyllisch gelegene Anwesen für die Herstellung exzellenter Weißweine gekauft. Dort entsteht auf 170 Hektar Rebfläche neben dem legendären Cervaro della Sala quasi als Zweitwein der Bramito, ein reinsortiger Chardonnay.

 

Der 2016er Bramito zeigt leuchtendes Strohgelb mit smaragdgrünen Reflexen. In der Nase noble Zurückhaltung, nur etwas kalkige Mineralität, Zündelholz und zarte Fruchtaromen. Der Ausbau in gebrauchten Barriques aus französischem Eichenholz sorgt für eine cremige Struktur, die aber von einer herben Mineralität und rauchigen Röstaromen begleitet wird. Tief gehende Finesse, gepaart mit floralen Akzenten, gelben Früchten, Mandelnoten und dezenter Vanille ergeben einen schnörkellosen und geradlinigen Chardonnay. Ein wunderbarer Speisebegleiter zu Kalbfleisch oder Pasta-Gerichten mit Sahnesoße.

 

Man muss beim Genuss des Bramito nicht gleich Brunftschreie ausstoßen. Aber ein lautes Bravo hat der gelungene Chardonnay von Antinori allemal verdient.  

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2020


2016  Chardonnay                                                           

Weingut Klenert, Kraichtal-Münzesheim (Baden)

8,50 Euro

Sichtlich zufrieden präsentiert der Münzesheimer Jungwinzer David Klenert seinen zweiten Weißweinjahrgang. Höhepunkt im aktuellen Sortiment des Senkrechtstarters ist der 2016er Chardonnay, der sich erstmals in der Kollektion findet.

Der Burgunder zeigt sich in einer blass gelben Farbe mit grünlichen Reflexen. In der Nase ganz feine Birnenaromen und vollreife Banane. Im Mund ist wieder das Klenert-Credo erfahrbar, frische und lebendige Weine zu produzieren. Dabei ist der Pinot kein Leichtgewicht, sondern besticht durch sanfte Cremigkeit und feine Struktur. Auf der Basis tiefer Substanz und hintergründiger Mineralität versprüht der Chardonnay elegante Vitalität. Hier spielt der Kraichgau seine Stärken aus, schmeckbare Sorten-Typizität und pure Trinkfreude zu vereinen. Am Gaumen bietet der Chardonnay schöne Würze, wieder Birne und Banane sowie einen Hauch Aprikose. Der Chardonnay ist ein vielseitiger Speisenbegleiter für die gehobene Küche. Kein Gramm zu schwer bietet er unaufdringliche Eleganz.

Nachdem David Klenert gleich mit seinem ersten Jahrgang 2015 einen fulminanten Start hingelegt hatte, kann nun auch die 2016er Weißweinkollektion voll überzeugen. Die neu hinzugekommenen Rebsorten Auxerrois und Chardonnay sind mehr als nur Ergänzungen des bisherigen Portfolios. Beide Weine sollten in keinem Keller eines Kraichgau-Fans fehlen. Das Weingut Klenert ist mit der Aufnahme in den renommierten Weinführer Eichelmann, der zunehmenden Präsenz in der regionalen Gastronomie und viel beachteten Auftritten auf Weinmessen die Neuentdeckung der Kraichgauer Weinszene. Wobei bei dem stets gut gelaunten Weinmacher keine Gefahr besteht, dass er abhebt. Das harte Arbeitspensum des Betriebsgründers bringt ihn stets wieder „back to earth“.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2017


2015 Chardonnay Mineral

Weingut Friedrich-Becker, Schweigen-Rechtenbach (Pfalz)

42 Euro

 

 

 

Lange Jahre wurde der Name Friedrich Becker quasi mit Spätburgunder gleichgesetzt. Zwar produzierte das Pfälzer VDP-Weingut schon immer gute Weißweine. Aber gegen die roten Top-Pinots, die über Jahre die deutsche Spitze darstellten, fanden die weißen Burgunder-Weine kaum Beachtung. Seit einigen Jahrgängen profilieren sich bei Becker aber neben den Spätburgundern die Chardonnays als zweite Vorzeige-Rebsorte. Diese Entwicklung sehen wir auch in anderen deutschen Spitzengütern wie Bernhard Huber oder Franz Keller. Chardonnay lässt seine weißen Brüder aus der Burgunderfamilie hinter sich.

 

Die Trauben für den Top-Chardonnay Mineral von Friedrich Becker stammen aus zwei kalkhaltigen Lagen mit Lehmauflage, die um Schweigen auf Pfälzer und Elsässer Boden liegen. Die Rebanlagen sind schon über 25 Jahre alt. Die Beeren werden spontan vergoren und reifen in leicht getoasteten, französischen Barrique-Fässern. Der Mineral aus 2015 strahlt in leuchtendem Gelb aus dem Glas. In der Nase dominieren komplexe, überwiegend florale Noten. Später treten ein deutlicher Mandarinen-Ton und weiße Blüten hinzu. Am Gaumen dann ein überwältigendes Geschmackserlebnis. Der Chardonnay ist kein Weichspüler, sondern baut unheimlich Druck auf. Die kalkige Mineralität und die beachtliche Säure sind zu einer wunderbar harmonischen, drahtigen Gesamtkomposition verschmolzen. Das Holz ist vollständig integriert und kaum spürbar. Zupackende Struktur mit Noten nach Flieder und Hyazinthen, gefolgt von Kräutern und Tee. Fruchtaromen ummanteln dieses Grundgerüst mit zarten, bitter-herben Noten wie Orangenschale und etwas Pfirsich. Dazu wieder florale Noten und weiße Blüten. Edle Rasse und feine Cremigkeit verbinden sich zu dichter Eleganz. Das Kunstwerk endet mit einer ewigen Länge, als wollte der Chardonnay seinen begeisterten Genießern noch einige Zugaben geben. Der Applaus ist ihm gewiss!   

 

Friedrich Becker hat mit dem Mineral einen monumentalen Chardonnay geschaffen, der stark an die großen französischen Weine aus dieser Rebsorte erinnert. Kein Wunder ist doch Burgund schon immer die Messlatte für den „alten Fritz“ - wie das Pfälzer Urgestein respektvoll genannt wird - gewesen. Und die jüngsten Weine aus dem Hause Becker lassen vermuten, dass die Ausnahmestellung dieses Weinguts auch beim jungen Fritz gewahrt bleibt. Der Chardonnay Mineral hat in Deutschland jedenfalls wenig Konkurrenz. 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, März 2020


2015 Chardonnay Hainfelder Letten Reserve                           

Weingut Bernhard Koch, Hainfeld (Pfalz) 

15 Euro

Deutschland ist zwar Riesling-Land. Dennoch sollten die weißen Burgunder-Sorten nicht außer Acht gelassen werden. Immer besser gelingen den deutschen Winzern ihre Weiß- und Grauburgunder. Das größte Potenzial im Burgunder-Bereich versprechen aber die Chardonnays. An der Spitze finden sich dabei die Anbaugebiete Baden und die Pfalz. Am Kaiserstuhl überzeugt eine ganze Riege sehr guter Produzenten wie Huber, Franz Keller, Dr. Heger und Bercher. Aber auch in der Pfalz kommen nach dem Weingut Knipser zunehmend herausragende Chardonnays aufstrebender Winzer in die Flasche. Eine geradezu explosionsartige Qualitätsentwicklung erleben wir in den letzten Jahren im Weingut Bernhard Koch in Hainfeld, das neben seinen Spätburgundern gerade seine Chardonnays in Deutschlands Spitzengruppe platzieren kann. Die Zusammenarbeit mit dem renommierten Weinbauberater HE Dausch ist dabei sicher ein wesentlicher Grund.Aus der Hainfelder Paradelage „Letten“ kommt der 2015er Chardonnay Reserve. Der Boden mit hohem Lehm- und Tongehalt zieht sich von Rhodt aus in Richtung Süden nach Hainfeld. Aus Parzellen mit besonders hohem Kalkgehalt stammen die Spitzenweine wie der Reserve. In mittlerem Goldgelb fließt der Pinot ins Glas. Schon die Nase eine Offenbarung: Schmelzige Honignoten, florale Anklänge, buttrige Karamellaromen, sahnige Cremigkeit und ein sanfter Holz-Touch. Am Gaumen eine perfekt ausbalancierte Komposition aus reifer Banane, roter Melone und dann rosa Flieder. Der weiche und runde Gesamteindruck fußt auf einer spürbaren Kalk-Mineralität. Ein Schmeichler, der nicht übersättigt und mit jedem Schluck überzeugt.Bernhard Koch hat eine beeindruckende Kollektion vom einfachen Gutswein bis zum absoluten Spitzenprodukt vorgestellt. Das Preis-/Leistungsverhältnis dürfte auf jeder Qualitätsstufe nur schwer zu schlagen sein. Auf nach Hainfeld! Weinempfehlung von Manfred Beismann, September 2017


2014 Chardonnay Sonoma County

Benziger Winery,

Sonoma (Kalifornien, USA)

19,50 Euro

 

 

 

Buttrig: Der erste Eindruck in der Nase entspricht der Erwartungshaltung für einen Chardonnay aus Kalifornien. Der in leuchtendem Goldgelb ins Glas fließende 2014er Chardonnay hat eine cremige Viskosität. Am Gaumen überwältigt den Genießer eine einnehmende Weichheit. Runde Noten nach Kokos und Marzipan. Wunderbar eingebunden ist das Holz und die feine Mineralität. Das Aromen-Spiel wandert von floral über etwas Orangenabrieb zu Mandarine. Der Burgunder zeigt sich als wohl proportionierter Athlet, kernig, saftig, aber keineswegs fett. Man spürt, hier waren Könner am Werk.

 

Seit 1980 bewirtschaften die Benzigers die Farm, die auf 800 Metern Höhe im Sonoma-Valley liegt. In dem 85 Hektar großen Betrieb sind heute mehr als zwei Dutzend Familienmitglieder beschäftigt. Bereits 1995 begann Benziger, als einer der ersten Weingüter in Kalifornien, mit der Umstellung auf biodynamisch Anbau. Diese Erfahrung und die Vorteile dieser Anbauweise spürt der Genießer in den Weinen des Gutes.

 

Der Benziger-Chardonnay ist ein eleganter und finessenreicher Chardonnay, der seine kalifornische Herkunft nicht versteckt. Er vermeidet aber die überladene Wucht vieler seiner amerikanischen Artgenossen. So ist der Chardonnay aus dem Sonoma Valley ein besonderer Vertreter für die weltweit verbreitete Rebsorte: Er verbindet Typizität mit regionalen Akzenten.  

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2020


2014  Chardonnay Rutz Rebell                                                   

Weingut Köhler-Ruprecht, Kallstadt (Pfalz)

20 Euro (nur erhältlich in der Rutz-Weinbar, Berlin)

 

 

 

 

Wenn ein Weinliebhaber eine besondere Location für seine Geburtstagsfeier sucht, könnte er nach einem Spitzenrestaurant Ausschau halten, das bereits mit der „Weinkarte des Jahres“ im Gault Millau ausgezeichnet wurde. Findet man diesen Sehnsuchtsort, der als Zugabe im Sommer 2016 noch ein Betriebsjubiläum feiert, landet der Genießer in der Berliner Rutz-Weinbar. Das Rutz ist seit 15 Jahren eine der angesagten Weinadressen im Land.

Im Rahmen des „Geburtstags-Menüs“ schenkt Chef-Sommelier Christoph Geyler auch seine „Rutz Rebell“-Weine aus. Diese Weine werden von Christoph Geyler in Zusammenarbeit mit ausgesuchten Winzern ausschließlich für das Rutz vinifiziert. Dabei entstehen individuelle Weine, die eine eigene Geschichte erzählen. „Eigentlich mag ich deutsche Chardonnays mit ihrer buttrigen Holzlastigkeit gar nicht“, beginnt Christoph Geyler seine Anmoderation zum zweiten Menü-Gang. „Deshalb haben wir nur einen einzigen Chardonnay auf unserer Weinkarte: den „Rutz Rebell“ vom Pfälzer Weingut Köhler-Ruprecht“. Für einen aus Südbaden stammenden Weinexperten ist die Aversion gegenüber Chardonnay eigentlich eine Überraschung.

Das Kallstädter Weingut Köhler-Ruprecht war unter seinem früheren Inhaber Bernd Philippi für seine  langlebigen und eigenwilligen Rieslinge aus der Paradelage Kallstadter Saumagen bekannt. Beim neuen Betriebsleiter Dominik Sona und seiner Partnerin Franzi Schmitt gewinnen jetzt auch die Chardonnays zunehmend an Format. Der im Rutz ausgeschenkte 2014er Chardonnay „Rebell“ ist im großen 600-Liter-Holzfass ausgebaut. Das Holz gibt dem Pinot lediglich ein stabiles Grundgerüst, bleibt aber dezent im Hintergrund. Ansonsten kommt der Chardonnay sehr geradlinig und fokussiert an den Gaumen. Der Burgunder ist durch sein schlankes Profil enorm kippfreudig und das Gegenteil von fett. Das kühle Aromen-Spektrum wird von floralen Noten wie Flieder und Hyazinthen dominiert. Tatsächlich entstand durch die Zusammenarbeit des Rutz mit dem Weingut Köhler-Ruprecht ein solitäres Produkt abseits des Mainstream.

Es dürfte nicht überraschen, dass der Chardonnay perfekt zum servierten Menü-Gang passte: Kabeljau & Pflaumen Kombucha, Blaumohn, Blumenkohl. Das gesamte Menü mit der professionellen Getränke-Begleitung durch Christoph Geyler war eine gelungene Abendunterhaltung. Auch nach dem bevor stehenden Wechsel des Chef-Sommeliers in die Selbstständigkeit wird das Konzept der Rutz-Weinbar, individuelle Spitzenweine mit hochwertigem Speisen in legerer Atmospähre zu präsentieren, eine Erfolgs-Story bleiben. Denn im Rutz hat Wein einen besonderen Stellenwert. 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, August 2016


2013  Chardonnay Monsheimer Silberberg „Blauarsch“                                                           

Weingut Milch, Monsheim (Rheinhessen)

16,50 Euro

 

Sein Name: „Blauarsch“; die Flasche: bauchig; auf dem Etikett: 14 % Alkohol. Das alles verspricht „good vibrations“. Und nach dem Plopp (zu Deutsch: Entkorken) erfüllt sich die Verheißung:

Bereits in der Nase strömen dem Genießer wohlige Karamellnoten entgegen. Am Gaumen stranden frische Kokos- und cremige Honigaromen. Der im Barrique ausgebaute Chardonnay ist trotz seiner Power nicht fett, denn der 2013er verhüllt mit seinem feinen Säurenerv gekonnt das Holz und den Alkohol. Anregende Vitalität mit komplexen Nuancen von rotem Rhabarber, weicher Vanille, rosa Flieder und - beim ersten Glas - rutschfesten Bananenschalen. Ein lebhafter Gaumenschmeichler mit drallen Hüften und beweglichem Rückgrat.

Übrigens kommt der Name „Blauarsch“ nicht von einer lustigen Weinfreundin mit tief ausgeschnittenem Abendkleid, die nach zwei Flaschen Chardonnay in einer kalten Winternacht ihren verlängerten Rücken verkühlt hat, sondern ganz banal von einer alten Lagenbezeichnung in Monsheim.

Das Weingut Milch ist der Chardonnay-Spezialist in Rheinhessen. Diese Sorte nimmt 40 % der Rebfläche des Betriebs ein. Neben dem „Blauarsch“ ist auch der preisgünstige Chardonnay „Valentin“ des Weinguts Milch zu empfehlen.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Oktober 2015

 


2012 Chardonnay Kalkstein 330

Weingut Scholler, Birkweiler (Pfalz)

6 Euro

Der 2012er Kalkstein Chardonnay des Birkweiler Traditionsweinguts Scholler schimmert blassgelb mit grünen Reflexen im Glas. Er verfügt über eine schöne Nase mit für die Rebsorte typischen Mandel- und Nussnoten. Am Gaumen dann eine explosive Überraschung: Der Wein zeigt sich vibrierend und extrem animierend. Der Muschelkalk der Birkweiler Spitzenlage Mandelberg geht eine harmonische Symbiose mit den Fruchtaromen wie Ananas und Mango ein. Nach jedem Schluck lechzt man nach dem nächsten Glas. Der Wein hat ein hervorragendes Preis-Genuss-Verhältnis. Eine der positiven Überraschungen des Jahrgangs 2012. Ein spritziger Wein für jedes Sommerfest.

Dieser Chardonnay steht in einer Reihe mit schönen Weißburgundern und Rieslingen des Weinguts Scholler aus dem Jahrgang 2012. Es bleibt zu hoffen, dass das Weingut Scholler dieses Niveau in den Folgejahrgängen halten kann. In der Vergangenheit waren durchaus Jahrgangsunterschiede zu verzeichnen.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juni 2015


2011  Chardonnay Passion                                                           

Weingut Karl Haidle, Kernen-Stetten (Württemberg)

22,90 Euro

 

Weißwein vom „Roten Riesen“? Gleich doppelt verkehrte Welt?

Denn erstens ist das Weingut Karl Haidle primär für seine Rotweine bekannt. Und zweitens hat Senior-Chef Hans Haidle mit einer Körperlänge von 168 Zentimetern nicht wirklich die Statur eines Riesen. Aber der Titelträger der Zeitschrift VINUM hat neben exzellenten Rotweinen auch einen „großen“ Chardonnay im Angebot. Davon konnte sich der Weinverein bei einer ausgedehnten Probe überzeugen, die mit Rekordeinkäufen endete.

Auf dem Flaschenetikett des VDP-Weinguts prangt die Y-Burg, das Stettener Wahrzeichen im württembergischen Remstal. In den Spitzenlagen „Pulvermächter“ und „Mönchberg“ wachsen die besten Weine von Hans Haidle wie Lemberger und Zweigelt, aber auch Riesling und eben Chardonnay.

Der im Barrique ausgebaute Chardonnay „Passion“ fließt goldgelb ins Glas. An der Glaswand bilden sich sogleich gotische Kirchenfenster. Ein cremiger Schmelz gibt Aromen nach kräftigem Karamell, später noch heller Milchschokolade,  jungen Veilchen und hauchzarter Minze frei. Am Gaumen zeigen sich rotfleischiger Pfirsich, Waldhonig und reife Melonen. Der Pinot verfügt bei aller Power über eine strukturgebende Mineralik und straffe Eleganz. Im langen Finale offenbart der Charmeur Opulenz und Substanz.

„Ich glaube, mein Chardonnay muss sich vor den Top-Produkten aus Südbaden nicht verstecken“, freute sich der ansonsten eher bescheidene Schwabe über die begeisterten Reaktionen der badischen Weinfreunde. Da kann man dem spontan zum weiß-roten Riesen ernannten Hans Haidle nur beipflichten.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, September 2015


2011  Chardonnay Spätlese                                                           

Weingut Bercher, Burkheim (Baden)

18 Euro

 

 

Baden ist Burgunderland. Für Burgunder-Liebhaber ist vor allem der Kaiserstuhl mit seiner für diese Rebsorten in Deutschland unerreichten Dichte an Spitzenbetrieben ein wahres Paradies. Eine Top-Adresse am Kaiserstuhl für weiße und rote Burgunder ist dabei das VDP-Weingut Bercher in Burkheim, das in dem 1756 erbauten schmucken Gutshaus Jahr für Jahr eine breite Palette an Spitzenweinen vorstellen kann. Besonders unterhaltsam ist eine Verkostung mit Martin Bercher, einem echten südbadischen Original. Martin Bercher führt heute das Weingut mit seinem Cousin Arne in 10. Generation. Neben den Weiß-, Grau- und Spätburgundern gehört der Chardonnay des Weinguts Bercher in jedem Jahrgang zur deutschen Spitze.

Der Chardonnay fließt goldgelb ins Glas. In der Nase erste Aromen nach reifen Äpfeln und Honigmelone. Im Mund zeigt sich ein Charakter-Wein, der seine Herkunft von den Vulkanböden des Kaiserstuhls geradezu klassisch mit der vom Barrique-Ausbau herrührenden Cremigkeit vereint. Der Wein wirkt bei aller Kraft und dichter Textur erstaunlich schlank. Jeder Schluck verlangt nach dem nächsten Glas. Dichte Aromenfülle nach Birnen, Steinobst und Holunder. Mit unheimlicher Länge verabschiedet sich der Wein mit dem Versprechen: Nächstes Jahr gibt es wieder ähnliche Qualitäten.

Der Bercher-Chardonnay ist ein idealer Speisenbegleiter für Nudelgerichte mit hellem Fleisch. Martin Bercher würde in seiner unnachahmlichen Art hinzufügen: „Ein Wein für Fortgeschrittene“.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2015


2011 Chardonnay Selection Endinger Engelsberg

Weingut Knab, Endingen (Baden)

13 Euro

ABC: „Anything but Chardonnay“ oder frei übersetzt „Alles, nur keinen Chardonnay“. Dieser vor einigen Jahren in den USA geprägte Spruch wäre wahrscheinlich nicht ersonnen worden, wenn dessen Erfinder diesen Chardonnay vom Kaiserstuhler Weingut Knab im Glas gehabt hätten. Der im Barrique gereifte Chardonnay verströmt wohlige Karamell- und Honig-Noten. Am Gaumen treten gereifte grüne Äpfel, gebrannte Mandeln und Melonen hinzu. Das Gemisch aus Vulkangestein, Löss und Kalkstein des Endinger Engelsberg verleiht dem Wein eine kräftige Struktur. Das gut eingebundene Holz des langlebigen Chardonnay fördert den Trinkfluss. Knab-Weine sind ideale Speisebegleiter. Wenn das Weingut Knab den Export intensiviert, rufen die Amerikaner ja vielleicht bald: „OKC“ oder „Only Knab-Chardonnay!“

Das Weingut Knab erzeugt hervorragende weiße und rote Burgunder, die problemlos mit den VDP-Winzern der Region mithalten können. Neben dem Chardonnay sind die „normalen“ und die 3-Stern-Spätlesen vom Weiß- und Grauburgunder absolute Top-Weine der badischen Burgunder-Hochburg. Die Inhaber Regina und Thomas Rinker sind äußerst sympathische Charaktere, die die legendäre badische Gastfreundschaft perfekt verkörpern. Bei meinem letzten Besuch kredenzte uns Thomas Rinker - frisch vom Weinberg zurück  - in aller Seelenruhe seine große Kollektion und zeigte uns danach noch seinen tollen Barrique-Keller. Erst beim Abschied stellte sich heraus, dass er an diesem Tag Geburtstag hatte und in der nächsten Stunde die Gäste eintrudeln werden.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, März 2015