2016 Silvaner Spätlese Flomborner Feuerberg

Weingut Michel-Pfannebecker, Flomborn (Rheinhessen)

6,90 Euro

 

 

Welches Anbaugebiet in Deutschland verfügt über die meisten Rebflächen für Silvaner? Nein, es ist nicht Franken, sondern Rheinhessen. Zugegeben hat Rheinhessen gegenüber Franken die deutlich größere Gesamtrebfläche und prozentual liegt Franken beim Silvaner natürlich weit vor Rheinhessen.

 

Das kleine Statistik-Quiz soll nur klar machen, dass man beim Thema Silvaner nicht nur Franken, sondern auch Rheinhessen im Blick behalten sollte. Etwas in Vergessenheit geraten ist auch das Weingut Michel-Pfannebecker in Flomborn. 1999 noch Entdeckung des Jahres im Gault Millau, haben es die Wein-Journalisten seither links liegen lassen. Vielleicht sind die Brüder Pfannebecker ja zu bodenständig und zu wenig „Star-Winzer“. Anstelle einer „Wein-Story“ erhalten sie bei Michel-Pfannebecker dafür aber ein umfangreiches Sortiment süffiger und preiswerter Weine. Im Vordergrund steht bei Michel-Pfannebecker neben dem Riesling vor allem der Silvaner. Und Silvaner ist gerade in der wärmeren Jahreszeit ein leichter und bekömmlicher

Speisenbegleiter zu Spargel und anderem Gemüse.

 

Die Feuerberg Spätlese aus 2016 hat in der Nase gelbe Früchte. Am Gaumen die leicht kräutrigen, vegetabilen Silvaner-Noten. Der angenehm spürbare Restzucker lässt aber auch Mirabelle und Pfirsich aufblitzen. Bei moderatem Alkohol ein durchaus gehaltvoller Sommerwein mit flottem Trinkfluss.

 

Wer unkomplizierte Qualität zu vernünftigen Preisen sucht, sollte in Flomborn vorbeischauen. Es gibt ja Navis, die einem von der nahen Autobahn an die Quelle leiten.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juni 2018   


2014  Silvaner Eigenart                                                           

Weingut Max Müller I, Volkach (Franken)

17 Euro

 

Der Prototyp des neuen Franken. Mit seinem 2014er Silvaner „Eigenart“ ist Christian Müller, dem ältesten Sohn von Senior-Chef Rainer Müller, wieder ein großer Wein gelungen. Auch Weinfreunde, die sich nicht unbedingt als Silvaner-Fans bezeichnen, sollten diesen Wein des Weinguts Max Müller I probieren.

 

Bereits in der Nase entwickelt der Silvaner Aromen nach Melone und Banane. Der teilweise Ausbau im Holzfass lässt sich erahnen. Im Mund ein druckvoller und lebendiger Wein. Die Holznoten sind sehr dezent und verleihen dem Power-Wein cremigen Schmelz. Der spontan vergorene Wein hat Muskeln, ohne seine Frische und Vitalität zu verlieren. Der Silvaner aus der Paradelage Escherndorfer Lump hält florale Noten, gelbe Früchte und Kräuter parat. Trotz seiner Jugend ist der im Muschelkalk  gewachsene Wein bereits zugänglich, hat aber noch eine lange Zukunft vor sich. Im Abgang hallt er lange nach. Ein moderner, eigenständiger Wein, der die Rebsorte Silvaner ganz neu interpretiert. Kein Mainstream, sondern individuelle Klasse. Die moderne Aufmachung setzt ein weiteres Ausrufezeichen.

 

Der Eigenart ist einer der großen Silvaner Deutschlands.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juli 2015


2014  Silvaner Sehnsucht                                                           

Weingut Horst Sauer, Escherndorf (Franken)

19 Euro

Horst Sauer treibt seit Jahren die Sehnsucht nach dem perfekten Wein. In jedem Jahrgang versucht der fränkische Starwinzer zusammen mit seiner Tochter Sandra, diesen Traumwein aus der fränkischen Leitsorte Silvaner in die Flasche zu bringen. Horst Sauer hat zwar selbst Zweifel, ob es den perfekten Wein jemals geben wird. Mit dem 2014er „Sehnsucht“ unternimmt Horst Sauer einen ernezten Versuch.

 

Sehnsucht nach großen Weinen, nach großen Gefühlen und nach großen Träumen steht auf dem Etikett des Edeltropfens. Und in der Tat findet sich ein Meditationswein im Glas. Zunächst elektrisiert die intensiv leuchtend gelbe Farbe des Silvaners. In der Nase am Anfang typisch kräutrige Silvaner-Noten. Doch der Silvaner braucht Zeit. Innerhalb weniger Minuten offenbart der Sehnsucht komplexe Aromen nach blauen Hyazinthen und herber Stachelbeere. Am Gaumen wogen Aromen nach Melisse, Heu und Aprikose. Es folgen immer neue Akzente wie Mango, Ananas und Honigmelone. Dieses breite Aromen-Spektrum wird eingefasst von einer auf den Holzausbau zurückzuführenden Cremigkeit. Feingliedrige Komplexität und sanfter Schmelz ziehen sich fast endlos hin. Die Sehnsucht wird spürbar.

 

Wahrscheinlich ist auch der 2014er wieder nicht der perfekte Wein. Aber Horst und Sandra Sauer sind verdammt nahe dran. Sie sollten sich ihre Sehnsucht noch lange bewahren. Wir träumen gerne mit.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juni 2017


2014  Silvaner Escherndorfer Lump S (Erste Lage)                                                           

Weingut Horst Sauer, Escherndorf (Franken)

12,50 Euro

Wie die steilen Ränge einer Fußball-Arena schmiegt sich der Escherndorfer Lump um das fränkische Weindorf Escherndorf. In der Bocksbeutelstraße findet man den Weltklassewinzer Horst Sauer, der mit seiner Tochter Sandra grandiose Rieslinge und Silvaner von trocken bis edelsüß in die Flasche zaubert. Ein kongeniales Duo, das aus jeden Wein mit viel Sensibilität das Maximale herauskitzelt.

 

Der nasse Jahrgang 2014 war sicher kein leichtes Jahr in Franken. Doch Horst Sauer gelang es mit viel Aufwand außergewöhnliche Weine aus der fränkischen Paraderebsorte Silvaner zu erzeugen. Der Escherndorfer Lump S, nach der VDP-Klassifikation eine Erste Lage, zeigt sich in hellem Gelb-Gold mit grünen Reflexen. Schon in der Nase erwarten den Genießer Aromen nach exotischen Früchten und – typisch für Silvaner - Heu und Wiese. Am Gaumen entwickelt sich ein feingliedriger, zugleich aber druckvoller und zupackender Silvaner mit prägnanter Würze. Vielschichtige Noten nach Aprikose, Melone, weißem Pfirsich, frischen Äpfeln und Maracuja umspielen die kräutrige Grundmelodie in immer neuen Facetten. Mit vibrierender Frische verabschiedet sich der hochwertige Wein mit einem langen Nachhall.

 

Die Silvaner von Horst Sauer tragen dazu bei, dass das früher etwas angestaubte Image dieser Rebsorte neuen Schwung entfaltet. Im Jahrgang 2014 gilt dem Escherndorfer Lump S mit seinem ausgezeichneten Preis-/Genuss-Verhältnis eine klare Kaufempfehlung.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2016


2014  Silvaner Volkacher Ratsherr      

Weingut Max Müller I, Volkach (Franken)                                              

15 Euro

 

 

 

Das Weingut Max Müller I im fränkischen Volkach verbindet gekonnt Tradition und Moderne. In das ehrwürdige Gutshaus in der Volkacher Innenstadt wurde eine moderne Vinothek eingepasst, die optisch auf den Weingenuss einstimmt. Natürlich spielt im Portfolio von Max Müller I die fränkische Leitsorte Silvaner eine Hauptrolle.

 

Der Bocksbeutel entlässt den 2014er Volkacher Ratsherr blassgelb ins Glas. In der Nase reduktive, kräutrige Aromen. Der Muschelkalk des Ratsherrn bringt feine Aromen nach gelbem Steinobst vor allem Mirabelle hervor. Charakteristisch für den Ratsherrn ist seine hohe Viskosität und Cremigkeit. Der Silvaner wirkt dadurch enorm stoffig und dicht. Dies ist sicherlich auf die lange Maischestandzeit und das Vollhefelager mit Battonage zurückzuführen. Der Ratsherr ist ein guter Speisenbegleiter für helles Fleisch.

 

Die Silvaner des Weinguts Max Müller I tragen mit dazu bei, dass die Rebsorte Silvaner nach einer langen Durststrecke zurzeit wieder eine Renaissance erlebt. 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juli 2016


2013  Silvaner Iphöfer Kronsberg Alte Reben

(1. Lage)                                                        

Weingut Wirsching, Iphofen (Franken)

14,50 Euro

Dr. Heinrich Wirsching wurde aktuell von der Zeitschrift Falstaff mit dem „Wein-Oscar“ für sein Lebenswerk als Winzer ausgezeichnet. Der Grandseigneur der fränkischen Weinszene hat das seit 1630 bestehende Traditionsweingut in den letzten Jahrzehnten zielstrebig auf die Zukunft vorbereitet. Eine große Flächenerweiterung, die bauliche Modernisierung des Guts und die gelungene Verbindung von Tradition und Moderne sind eine eindrucksvolle Bilanz des sympathischen Franken. Vor allem befinden sich die Wirsching-Weine in den letzten Jahrgängen deutlich im Aufwind.

 

Die Erste-Lage-Weine nach der VDP-Klassifikation stehen meist im Schatten der Großen Gewächse. Dabei werden gerade diese hochwertigen Lagenweine von Weinliebhabern geschätzt, weil sie - im Gegensatz zu vielen „überladenen“ Großen Gewächsen -  mit ihrer Frische und Lebendigkeit wichtige Attribute für einen guten Weißwein aufweisen. Auch der 2013er Erste-Lage-Silvaner aus dem Iphofer Kronsberg zeigt bereits in der Nase ein lebendiges Spektrum nach feinen Kräutern und komplexer Frucht. Im Mund erlebt man dann eine grandiose Aromenvielfalt nach zarten Blüten, Mandeln, Rhabarber, Mango, Pfirsich, Maracuja und Aprikosen.  Der Kronsberg-Silvaner aus dem Keuperboden mit hohem Kalkanteil bereitet animierende Trinkfreude auf hohem Niveau. Er ist ein idealer Speisenbegleiter etwa zu Spargelgerichten.

 

Wenn es einen Oscar für die beste Nebenrolle in der Kategorie Silvaner gäbe, der Kronsberg- Bocksbeutel „Alte Reben“ vom Weingut Wirsching wäre ein heißer Anwärter.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, September 2015