2015 Grauburgunder Heidelberger Herrenberg AS

(1. Lage)

Weingut Seeger, Leimen (Baden)

12,50 Euro

 

 

Viele Weinfreunde setzen bei den VDP-Weingütern im Weißweinbereich auf die „Zweitweine“ aus den 1. Lagen. Hauptgrund ist, dass die „Großen Gewächse“ häufig etwas fett, überladen und sättigend wirken. Der Trinkfluss leidet. Die Weine aus den 1. Lagen sind dagegen häufig frisch und animierend, ohne an Substanz und Komplexität gegenüber den GG wesentlich abzufallen.

 

Ein Paradebeispiel für einen hochwertigen Grauburgunder aus der 1. Lage ist der Heidelberger Herrenberg AS von Thomas Seeger. Der in hellem Goldgelb strahlende Pinot zeigt in der Nase florale Noten nach lila Flieder und weißen Blüten. Am Gaumen überzeugt ein druckvoller Burgunder mit Frische und kalkgeprägter Mineralität. Der im Halbstück ausgebaute Grauburgunder entwickelt im weiteren Verlauf vielschichtige Noten nach Nüssen, Karamell und reifen Birnen. Ein cremiger Grauburgunder, der trotzdem über Grip und Zug verfügt. Mit moderaten 12,5 % Alkohol bleibt die Trinkfreude erhalten.

 

Die Weißweine von Thomas Seeger sind übrigens verbraucherfreundlich kalkuliert. Mit jeder Flasche Grauburgunder sparen sie ein paar Euro, die sie dann für die deutlich höherpreisigen Spätburgunder einsetzen können. Denn bei den Rotweinen sollten auch die Großen Gewächse von Thomas Seeger in keinem gut sortierten Weinkeller fehlen.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, August 2017


2015  Grauburgunder Signatur                                                           

Weingut Bosch, Kronau (Baden)

9,80 Euro

Es gibt sie noch: Weinentdeckungen in Deutschland. Vor allem in den eher unbekannten Anbauregionen wie dem badischen Kraichgau. Das Weingut Bosch aus Kronau ist im bundesweiten Maßstab sicher ein noch eher unbekannter Betrieb. Im aufstrebenden Kraichgau hat sich Betriebsleiter Andreas Braunecker in den letzten Jahren dagegen schon hohe Anerkennung unter Insidern erarbeitet. Der Geisenheim-Absolvent ist auch in den einschlägigen Weinführern mit guten Bewertungen zu finden.

 

Die Signatur-Linie bildet im Weingut Bosch die obere Mittelklasse, bietet aber bereits anspruchsvolle Weine für Freunde individueller und Rebsorten-typischer Tropfen. Der Grauburgunder Signatur fließt in sattem Goldgelb mit leichten Messing- und Kupfernoten ins Glas. In der Nase die typischen Mandel- und Nussaromen eines Grauburgunders. Am Gaumen schmeichelt der im Holz ausgebaute Pinot mit cremigem Schmelz. Der Sur-Lie-Ausbau führt zu einem vielschichtigen Aromen-Spektrum mit floralen Noten, süßem Honig, reifer Mirabelle und rotem Pfirsich. Wuchtige Kraft und eine dichte Struktur verleihen dem Grauburgunder den Charakter eines Festtagsweins. Ein wertiger Grauburgunder für besondere Anlässe zum fairen Preis.

 

Das Weingut Bosch ist Mitglied der Weiße-Burgunder-Charta, in der 15 Weingüter den Bekanntheitsgrad der Weinbauregionen Kraichgau und Badische Bergstraße überregional steigern wollen. Andreas Braunecker spielt in diesem Kreis der nordbadischen Top-Winzer eine sehr gute Rolle. Das Weingut Bosch hat nicht nur weiße Burgundersorten im Sortiment. Mit seiner breiten Palette, in der neben Riesling und Spätburgunder auch die eher seltene Scheurebe und der noch rarere Frühburgunder vertreten sind, gehört das Weingut Bosch zu den interessantesten Betrieben der jungen Winzervereinigung. Ein Besuch lohnt sich!

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2016


2015  Grauburgunder                                                           

Weingut Klenert, Kraichtal-Münzesheim (Baden)

7,50 Euro

Talent-Scouts aufgepasst! In der aufstrebenden Weinregion Kraichgau hat der Nachwuchswinzer David Klenert seinen ersten Jahrgang präsentiert. Der studierte Önologe setzt in Kraichtal-Münzesheim seinen Traum vom eigenen Weingut in die Realität um. Dabei ist der stets gut gelaunte Youngster kein Traumtänzer, sondern ein mit Realitätssinn ausgestatteter Macher. Seine Erstlingsweine sind bereits anspruchsvolle Tropfen, die für die Zukunft Einiges erwarten lassen.

 

Der 2015er Grauburgunder fließt in blassem Gelb mit grünen Reflexen ins Glas. In der Nase Aromen nach gelben Früchten. Im Mund seidige Kühle und spritzige Frische. Zarte Noten nach Mirabelle und Pfirsich sowie ein dezenter Mandel-Touch formen sich zu einem stimmigen Geschmacksbild. Keine Alkoholbombe, sondern ein quirliger Pinot mit spielerischer Textur. Der Burgunder versprüht wie David Klenert Lebendigkeit und Lebenslust.

 

Das Weingut Klenert scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Weinfreunde sollten sich mit dem Jahrgang 2015 eindecken. Dann kann man beim ersten Jubiläum des Weinguts sagen: Ich war dabei! 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, März 2016


2014  Grauburgunder                                                             

Weingut Johner, Bischoffingen (Baden)

12 Euro

Von welcher Seite der Erdkugel wollen sie Weine probieren? Beim Weingut Johner haben sie die Wahl: Kaiserstuhl oder Neuseeland. In Bischoffingen am Kaiserstuhl gründete Karl Heinz Johner 1985 das 15 Hektar große Weingut mit dem toskanisch anmutenden Gutsgebäude, 2001 folgte der neuseeländische Betrieb „Johner Estate“ nahe Masterton mit 12 Hektar. Egal für welche Seite der Erde sie sich entscheiden, immer haben sie bei den „Wein-Globetrottern“ Karl Heinz und Sohn Patrick Johner hochwertige Tropfen mit kompromissloser und eigenwilliger Stilistik im Glas. Aus Neuseeland kommen „tropische“ Sauvignon Blanc und elegante Pinot Noir, am Kaiserstuhl stehen weiße und rote Burgunder mit Terroir-Charakter im Vordergrund. Wir entscheiden uns heute für Baden:

 

Selbst im schwierigen Jahrgang 2014 gelang dem Weingut Johner mit seinem Basis-Grauburgunder ein anspruchsvoller Wein für Kenner. Der zu 10 % im Barrique ausgebaute Burgunder fließt blassgelb mit grünlichen Reflexen ins Glas. In der Nase folgen leichte Mandelnoten. Das Löß- und Vulkanverwitterungsgestein in Bischoffingen und Oberrotweil verleiht dem Grauburgunder mineralische Würze. Kraftvolle Individualität und ausbalancierte Säure dominieren über vordergründige Primärfruchtaromen; nur zarte Anklänge von Birnen-, Mirabellen- und Melonenfrucht runden das Geschmacksbild ab. Ein straffer Burgunder, der seine Herkunft widerspiegelt.

 

Die vielversprechende Basisqualität bei Johner fordert geradezu den Genuss der Spitzenweine. Diese spielen qualitativ, aber auch preislich in einer höheren Liga. Bei der weiteren Verkostung sollten sie keinesfalls die andere Seite der Erde links liegen lassen: Probieren sie als Kontrastprogramm zum badischen Grauburgunder den 2014er Sauvignon Blanc Gladstone aus Neuseeland mit seinem tropischen Früchtekorb.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, September 2015


2014  Grauburgunder S                                                           

Weingut Plag, Kürnbach (Baden)

9,50 Euro

Gute Winzer meistern eben auch schwierige Jahrgänge. Diese Weisheit altgedienter Weinzähne bewahrheitet sich wieder beim 2014er Grauburgunder S des badischen Weinguts Plag.

 

Der goldgelbe Grauburgunder des Kürnbacher Winzers Philipp Plag zeigt in der Nase typische Mandelnoten, mit weiterer Dauer entsteigen dem Glas auch florale Anklänge. Am Gaumen erschmeckt man einen ausgewogenen Wein mit cremigem Schmelz und zarten Holztönen. Ein eleganter Burgunder mit Aromen nach grünem Apfel, reifer Birne und lila Flieder. Der Wein verfügt über viel Substanz und eine schöne Länge. Ein ausgezeichneter Speisenbegleiter zum Sonntagsbraten, aber auch zu Pasta-Gerichten mit Sahnesoße.

 

Philipp Plag beweist einmal mehr, dass er nicht nur hervorragende Rotweine im Sortiment hat. Seine weißen Burgunderweine gewinnen immer mehr an Format. Diesen Eindruck werden die folgenden, hoffentlich einfacheren Jahrgänge noch weiter verstärken. Die Böden im Kraichgau sind ja für Burgundersorten ohnehin prädestiniert.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juni 2016


2013 Grauburgunder Bruchsaler Rothenberg                           

Weingut Klumpp, Bruchsal (Baden) 

17 Euro

Es ist Ulrich Klumpp zu verdanken, dass Bruchsal auf der deutschen Wein-Landkarte an prominenter Stelle vertreten ist. Der Vollblut-Winzer hat innerhalb einer Generation aus dem Nichts ein 25 Hektar großes Weingut aufgebaut. Sichtbares Zeichen für die Erfolgsgeschichte ist das neue Gutsgebäude am Bruchsaler Stadtrand. In diesem architektonischen Highlight können seine Söhne Markus und Andreas den Betrieb auf modernstem Level weiterführen. Das ökologisch arbeitende Weingut Klumpp baut im Kraichgau eine breite Rebsorten-Palette an Weiß- und Rotweinen aus. Die Lagen-Weißweine haben in den letzten Jahren weiter an Statur gewonnen.

 

Der 2013er Grauburgunder aus dem Bruchsaler Rothenberg schillert in kräftigem Goldgelb mit Reflexen ins Rotgold. In der Nase kühle Aromen nach Quitte und Mirabellen. Am Gaumen zeigt der Lagen-Burgunder komplexe Substanz. Stilbildend sind der Holzausbau und eine straffe Mineralität. Die jahrgangsbedingt präsente Säure sorgt für kräftigen Zug und Trinkfreude. Im Mund entfaltet sich eine harmonische Fülle und honigartiges Volumen. Der Rothenberg ist ein Grauburgunder von Format.

Das Weingut Klumpp ist eines der Zugpferde der neu gegründeten Weiße-Burgunder-Charta. Die Vereinigung von Winzern aus dem Kraichgau und der Badischen Bergstraße hat sich zum Ziel gesetzt, die bisher eher unbekannten Weinregionen auf nationaler Ebene bekannter zu machen. Mit solchen Weinen wie dem Grauburgunder Rothenberg von Klumpp kann der Kraichgau auch überregional punkten.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Oktober 2016


2012  Grauburgunder „Oberklamm“ GG                                                           

Weingut Seeger, Leimen (Baden)

19,50 Euro

Aus den badischen Leit-Rebsorten Grauburgunder und Spätburgunder produziert auch Thomas Seeger seine Spitzenweine im weißen und roten Segment. Seine Topqualitäten von der Badischen Bergstraße können dabei der quantitativen Übermacht vom Kaiserstuhl locker Paroli bieten.

 

Aushängeschild im Weißweinbereich ist beim Weingut Seeger der Grauburgunder „Oberklamm“, einem Gewann mit Muschelkalkböden und Lößauflage. Das 2012er Große Gewächs fließt in hellem Goldgelb ins Glas. In der Nase ein angenehmer Strom von Mandel- und Nussnoten mit ganz dezent Feuerstein. Am Gaumen zeigt der stoffige Burgunder zusätzlich Karamellaromen und florale Elemente wie rosa Hyazinthen und violetten Flieder. Der gekonnte Barrique-Einsatz bringt gut eingebundene Tannine zur Geltung und vermittelt eine weiche Fülle. Trotz seiner Kraft wirkt das imposante Gesamtkunstwerk vielschichtig elegant und nicht Alkohol lastig. Der Pinot verfügt über eine ausgeprägte Länge.

Der Grauburgunder „Oberklamm“ von Thomas Seeger ist einer der großen weißen Pinots in Deutschland aus dem sehr guten Jahrgang 2012. 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2015


2012 Grauburgunder Spätlese Achkarrer Schlossberg

Weingut Michel, Achkarren (Baden)

10,50 Euro

Wenn man einen idealtypischen badischen Grauburgunder sucht, sollte man einen Achkarrer Schlossberg vom Weingut Michel probieren. Der Achkarrer Schlossberg ist eine besonders privilegierte Lage am Kaiserstuhl mit Vulkanverwitterungsböden und Lössauflage. Diese, einem Amphitheater vergleichbare Lage verleiht dem Michel Grauburgunder ein straffes mineralisches Gerüst. Daraus entwickelt sich ein vollmundiger Wein mit ausgeprägten Aromen nach Mandeln, Aprikosen und reifem Pfirsich. Ein ausbalancierter Burgunder in perfekter Harmonie, vitaler Frische und bestechender Eleganz.

 

Josef Michel ist Burgunder-Spezialist mit herausragenden Grau-, Weiß- und Spätburgundern. Auch der Chardonnay spielt regelmäßig in der ersten Liga. Die Grauburgunder sind in allen Qualitätsstufen Kabinett, Spätlese und Spätlese*** eine sichere Bank. Michel-Burgunder müssen keinen Vergleich mit den Kaiserstühler VDP-Winzern scheuen. Nur im Preis sind sie deutlich günstiger.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2015


2012  Grauburgunder Spätlese ***

Endinger Engelsberg                                                           

Weingut Knab, Endingen (Baden)

15 Euro

Langlebige und ausdrucksstarke Burgunder sind das Markenzeichen des Endinger Weinguts Knab. An der Spitze der Qualitätspyramide stehen bei Winzer Thomas Rinker die ***-Spätlesen vom Weiß- und vom Grauburgunder. Im Jahrgang 2012 hatte dabei der Grauburgunder die Nase vorn.

 

In der Nase erkennt man bei dem goldgelben Pinot ausgeprägte Karamell- und Nussnoten. Im Mund kommen Aromen nach Apfel und Melone hinzu. Der teilweise Ausbau im Barrique gibt dem Grauburgunder eine elegante Cremigkeit. Die 14% Alkohol lassen einen Power-Wein mit satter Kraft und vollmundigem Körper entstehen. Der Endinger Engelsberg mit seinen Löß-, Kalk, und Vulkanböden verleiht dem dichten Burgunder zarten Schmelz. Der harmonische Grauburgunder hallt lange nach.

Das Weingut Knab zählt zu den Spitzengütern am Kaiserstuhl. Die Burgunder haben ein ausgezeichnetes Preis-/Genussverhältnis. Eine Verkostung im modernen Gutsgebäude bei den gastfreundlichen Inhabern Thomas und Regina Rinker ist ein besonderes Weinerlebnis.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2015


2012 Grauburgunder Spätlese Oberbergener Bassgeige "Vum Steinriesen"

Weingut Franz Keller, Vogtsburg-Oberbergen (Baden)

14,50 Euro

 

Schon in der Nase erahnt man den brodelnden Vulkan des Kaiserstuhls. Weiter entsteigen florale und kräuterige Noten. Die Vulkanverwitterungsböden der Oberbergener Bassgeige verleihen dem eleganten Grauburgunder eine ausgeprägte Mineralität. Neben Feuerstein und Flieder entwickeln sich am Gaumen feine Aprikosen- und Mirabellennoten. Der voll ausgereifte 2012er „Steinriese“ ist ein Musterbeispiel für die traditionell trocken ausgebauten Grauburgunder des VDP-Weinguts. Der rauchige und würzige Wein ist ein hervorragender Speisenbegleiter (Tipp: Schweinelende mit breiten Nudeln).

 

Am besten genießt man den eleganten „Steinriesen“ direkt beim Weingut in Oberbergen auf der Terrasse der Kellerwirtschaft. Beim Blick auf die Parade-Lage Bassgeige sind schnell alle Alltags-Sorgen vergessen. Das Top-Restaurant „KellerWirtschaft“ ist in die neue Kellerei des Weinguts integriert. Der voluminöse Neubau ist ein architektonisches Highlight und schmiegt sich harmonisch in die Kaiserstuhl-Landschaft ein. Am besten gönnt man sich das Menu mit begleitenden Weinen. Mit etwas Glück bekommt man dann neben dem „Steinriesen“ noch ein Gläschen des Selection-Spätburgunders zum Hauptgang serviert.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juni 2015