2018  Lemberger Basic                                                           

Weingut roterfaden, Vaihingen-Roßwag (Württemberg)

Ca. 15,50 Euro

 

Als selbst ernannter Weinkenner schaue ich etwas verdutzt auf den neuen Reisebegleiter „Wein & Genuss“ des Tourismusverbands Kraichgau-Stromberg. Die Titelseite ziert ein mir völlig unbekanntes Winzerpaar. Im Innenteil der interessanten Broschüre finde ich dann ein Portrait über Olympia Samara und Hannes Hoffmann, die 2013 in Vaihingen-Roßwag das Weingut roterfaden gegründet haben. Dort produzieren die Geisenheim-Absolventen auf zwei Hektar Rebfläche Lemberger, Spätburgunder und Riesling nach Demeter-Richtlinien. Um meine Blamage schnell zu vergessen, habe ich mir sofort eine Flasche des 2018er Lembergers Basic von roterfaden besorgt:

Der Lemberger wird handgelesen und spontan vergoren. Danach bleibt er bis zur Abfüllung auf der Vollhefe und wird mit wenig Schwefel unfiltriert abgefüllt. Der auf Muschelkalk gewachsene Wein hat fast keinen Restzucker und nur 11 Prozent Alkohol.

Gespannt gieße ich den dunkelrot-violetten Lemberger aus den Steillagen an der Enz ins Glas. In der Nase zeigt die Neuentdeckung frische und gemüsige Noten. Dazu würzige Sträucher, Nelke, etwas Schoko-Eiskonfekt und zarte Cabernet-Anklänge. Beim ersten Schluck packt den Verkoster die Säure, die pralle Sauerkirschen durch den Mundraum wirbeln lässt. Frische Kühle, vibrierende Saftigkeit und sanfte Tannine wirken vitalisierend und anregend. Die Lebendigkeit und der trotzdem dichte Extrakt führen zu einer Kippfreudigkeit, der man kaum widerstehen kann. In der weiteren Entwicklung folgen Noten nach Erbsen, Bohnen, Brombeeren, rote Johannisbeere, etwas Pfeffer, Wacholder und Holunder. Ein Individualist, der mit kühler, leicht reduktiver Eleganz und vibrierender Säure eine neue Dimension des Lembergers offenbart. Diese animierende Variante wird nicht jeden Weinliebhaber anziehen, aber den der etwas Besonderes sucht.

Mit dem Basis-Lemberger habe ich den roten Faden zu Olympia und Hannes aufgenommen. Wenn die Lese abgeschlossen ist, werde ich mich nach Roßwag aufmachen, um die weitere Kollektion der beiden Newcomer kennenzulernen.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Oktober 2021