2016 Riesling Kabinett Niedermenninger Sonnenberg

Weingut Stefan Müller, Konz-Krettnach (Saar)

7,50 Euro

Wer ist das beste Trüffelschwein in Wein-Deutschland? Natürlich der Verein für Weinkultur Kraichtal. Im August 2017 hatte ich nach einem Besuch beim Saar-Riesling-Sommer allen Weinliebhabern empfohlen, sich bei dem (noch) günstigen Preisniveau mit dem 2016er Saar-Riesling von Stefan Müller einzudecken. Die besondere Empfehlung galt dem fruchtsüßen Kabinett aus dem

Niedermenniger Sonnenberg mit über 50 Gramm Restzucker. Wenige Monate später avanciert der Jungwinzer Stefan Müller zur Entdeckung des Jahres im Gault Millau und der empfohlene Riesling erhält 92 Punkte im neuen VINUM-Weinführer. Ein Glückskind, wer sich für 7,50 Euro mit diesem Prachtstück eindeckte.

 

Die Vinifikation des Rieslings erfolgte mit Ganztraubenpressung und Spontanvergärung. Das Pflanzjahr 1963 und die niedrigen Erträge von 40 hl/ha bürgen für Substanz und Volumen. Der opulente Kabinett vibriert mit strahlender, glasklarer von der knackigen Säure geprägten Rasse. Als Konterpart strahlen üppige Fruchtaromen nach reifen Äpfeln, Pampelmuse, Banane und Orangenschale. Der Riesling tänzelt prickelnd über die Zunge und schwebt leichtfüßig ins edelsüße Himmelreich. Ein Paradebeispiel für den unnachahmlichen Saar-Riesling.

 

Man muss kein Wahrsager zu sein, um Stefan Müller in den nächsten Jahren einen Aufstieg zu den wirklich großen Namen an der Saar zu prophezeien. Das 10 Hektar große Weingut wird bereits in dritter Generation von der Familie geführt. Riesling macht 80 % der Rebfläche aus. In den Weinbergen wird generell auf Herbizide und synthetisch hergestellte Dünger verzichtet. Beim nächsten Saar-Riesling-Sommer dürfte eine Nachbestellung fällig sein.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Februar 2018 


2014 Riesling Mullay-Hofberg Kabinett

Weingut Melsheimer, Reil (Mosel)

10 Euro

Das Bio- sowie Demeter-zertifizierte Reiler Weingut Melsheimer bewirtschaftet Steillagen in der Lage Mullay-Hofberg, die ihm zu 90% gehört. Thorsten Melsheimer, der 1995 in den Betrieb einstieg, bearbeitet seine Weinberge nach biodynamischen Prinzipien. Das verleiht seinen Weinen Authentizität, Kraft und Präzision. Der 2014er Mullay-Hofberg Kabinett verströmt im Glas Düfte nach gelbem Fruchtfleisch und zarten Schiefertönen. Grüner Apfel, Quitte sowie Ananasaromen erheben diesen Wein zu einem wahren Geschmackserlebnis. Dieser extrem schlanke, reintönige Riesling mit gerade einmal 7,5% Alkohol ist trotz allem tiefgründig und facettenreich. Die dezente Süße gibt ihm dabei eine unglaubliche Leichtigkeit. Er steht exemplarisch für einen perfekt vinifizierten Kabinett Wein.

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, August 2015


2012  Riesling Herrenberg Spätlese                                                           

Weingut Maximin Grünhaus, Mertesdorf (Mosel)

14,80 Euro

Ein glockenklarer Riesling, einem Gebirgsbach gleich rinnt er kühl und rein die Kehle hinunter.

Feinste Schieferaromen mit einem Hauch Minze verzücken den Genießer und lassen ihn den Frühling spüren.

Rassige Säure in perfektem Einklang mit feinster Süße wähnt den Liebhaber im Weinolymp.

Der Leichtigkeit eines Schmetterlings gleich, gleitet der Wein völlig schwerelos den Mund hinunter

und offenbart ein grandioses Geschmackserlebnis.

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, Februar 2015


2011 Riesling Ockfener Bockstein Spätlese

Weingut Dr. Wagner, Saarburg (Saar)

13,80 Euro

 

Ein Wein zum Niederknien. Vibrierende Säure in perfektem Einklang mit feiner Fruchtsüße. Der Wein explodiert förmlich im Mund, um sich dort dann wohlig warm auszubreiten. Feine Zitrus- und Mirabellearomen sowie ein Hauch reifer Mandarinen verzücken den Gaumen und hallen endlos nach. Beim zweiten Schluck erscheint der grandios ausbalancierte Wein völlig schwerelos und wähnt den Genießer im Paradies. Hier ist dem Weingut Dr. Wagner ein wahrhaft großer Wurf gelungen. Chapeau!

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, Mai 2015


2011 Riesling Ürziger Würzgarten Auslese

Weingut Geschw. Albertz Erben Alfred Merkelbach, Ürzig (Mosel)

9 Euro

Schon beim ersten Schluck schmeckt man den roten Schiefer des Ürziger Würzgartens auf der Zunge. Feine Würznoten gepaart mit einem schieren Fruchtbouquet verleihen dieser Auslese einen besonderen Charakter. Ein klassischer Mosel Riesling, der in seiner Machart zeitlos erscheint und immer begeistern wird. Die Gebrüder Merkelbach verstehen ihr Handwerk. Mehr als 60 Jahrgänge haben die beiden Junggesellen bereits auf die Flasche gebracht. Das winzige Weingut der beiden alten Herren hat zudem äußerst verbraucherfreundliche Preise.

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, März 2015


2011 Riesling Veldenzer Carlsberg Spätlese                                                           

Weingut Becker-Steinhauer, Mülheim (Mosel)

8 Euro

Die kleine Lage Veldenzer Carlsberg liegt in einem Seitental der Mosel. Der Carlsberg hat ein besonderes Mikroklima und befindet sich im Alleinbesitz des Weinguts Becker-Steinhauer. Die Stärke dieses 8 Hektar großen Weinguts liegt eindeutig bei den süßen Rieslingen. Die 2011er Spätlese aus dem Carlsberg präsentiert sich in einem kräftigen Goldgelb. Im Bouquet volle, facettenreiche Fruchtaromen. Am Gaumen süße Frucht nach Honigmelonen, Steinobst und Orangenschalen. Die noch spürbare Säure und die Schiefer-Mineralität verleihen dem Riesling trotz der voluminösen Fruchtigkeit Frische und Lebendigkeit.  Der Riesling zeigt vier Jahren nach der Lese eine gute Balance und keinerlei Alterungsnoten. Im Abgang hallt der Riesling lange nach.

Die Einzigartigkeit der süßen Mosel-Rieslinge wird im Ausland regelmäßig mehr geschätzt als in Deutschland. Dabei gibt es für diese Weine vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Neben der asiatischen Küche bietet sich vor allem Käse (z. B ein milder Blauschimmel) als idealer Begleiter an. Der Riesling bietet viel Wein für wenig Geld.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, August 2015


2009 Riesling Saarburger Rausch Kabinett

Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg (Mosel/Saar)

12,50 Euro

Bereits in der Nase verströmt dieser süß ausgebaute Saar-Riesling intensive Apfel- und Aprikosen-Aromen. Im Mund explodieren die Fruchtaromen in immer neuen Nuancen: Apfel, Aprikose, Mango, Limette, Citrus, Passionsfrucht, Ananas und Maracuja. Der perfekt ausbalancierte Riesling zeigt dabei ein vibrierendes Frucht-Säure-Spiel. Die Spitzenlage Saarburger Rausch mit ihrem feinblättrigen Devonschiefer und dem vulkanischen Diabas setzt den Fruchtaromen eine präzise Mineralität und zarte Melisse- und Kamillenoten hinzu. Der komplexe Wein scheint auf der Zunge zu tanzen. Für einen Kabinett-Wein eine außergewöhnliche Dichte und Konzentration. Solche Rieslinge machen die Saar weltweit einzigartig.

Der Weinverein konnte bei seiner Exkursion 2010 eine von Senior-Chef Hanno Zilliken geführte Weinprobe erleben. Im modern gestalteten Anbau des Weinguts entwickelte sich eine hochinteressante Riesling-Probe von trockenen bis zu edelsüßen Spitzengewächsen. Abweichend vom Verkostungsprogramm stellte Hanno Zilliken mit edelsüßen Kostbarkeiten aus den 1970er Jahren die Langlebigkeit seiner Weine unter Beweis. Ein besonderes Erlebnis war ein Rundgang in den dreistöckigen Keller des Weinguts, dem tiefsten Weinkeller an der Saar. In diesem Keller herrscht das ganze Jahr eine konstante Temperatur. Von der Decke tröpfelt Wasser von unzähligen kleinen Stalaktiten auf die großen Fuder-Fässer. Und es lagern die Kostbarkeiten vergangener Jahrzehnte. Ein Besuch der dem agilen Hanno Zilliken und den beeindruckten Vereinsmitgliedern sichtlich Freude bereitete.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2015


2005 Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese

Weingut Karl Erbes, Ürzig (Mosel)

11,80 Euro

10 Jahre und keinen Tag älter!

Welcher Wein kann das von sich behaupten?

Einzigartig authentische Weine, mit enormem Alterungspotenzial,

bringt dieser Ürziger Traditionsbetrieb Jahr für Jahr auf die Flasche.

100% wurzelechte Riesling-Reben wachsen auf kargen Schiefersteilhängen in den Spitzenlagen

"Ürziger Würzgarten“ und "Erdener Treppchen“.

Kaum im Weinglas verströmt dieser Riesling Düfte eines frisch gepflückten Früchtekorbs.

Auf der Zungenspitze vibriert diese Essenz förmlich,  ein Fruchtpotpourri an exotischen Früchten.

Mango und Papaya sowie zarte Litschi-Noten verbreiten sich gleich einem Lavastrom im Mund, bauen hierbei eine grandiose Spannung auf, um dann am Gaumen förmlich zu explodieren.

Enorm druckvoll im Abgang hallt dieser wunderschöne Moselaner endlos nach.

Glückselig lehnt sich dabei der Genießer in seinem Stuhl zurück, im Bewusstsein, dass solche Schätze von den Schieferterrassen der Mosel einzigartig sind auf dieser Welt!  

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, August 2015


2005  Riesling Zeller Petersborn Kapertchen Auslese***                                                                      

Weingut Heinrich Mayer, Zell (Mosel)

10 Euro

 

Heinrich Mayer ist ein singuläres Winzer-Original, der direkt neben der Schiffsanlegestelle in Zell an der Mosel ein Hotel betreibt. Im Erdgeschoss seines Hotels  befindet sich ein Weinladen, in dem sich vor allem Tagestouristen mit einigen Fläschchen Mosel-Wein eindecken. Übrigens finden sie in diesem Laden auch „uralte“ Jahrgänge, so dass man problemlos seinen 50- oder 60-jährigen Geburtsjahrgang des unsterblichen Mayer-Rieslings zu vertretbaren Preisen einkaufen kann.

Wer jetzt glaubt, Mayer-Riesling sei ein minderwertiger Touristen-Fusel für ahnungslose Nordlichter, sieht sich getäuscht. In einer seiner unzähligen Anekdoten erzählt Heinrich Mayer, warum sein Weingut nicht in den einschlägigen Weinführern vertreten ist: „Mein Vater hat damals den Verkoster des Weinführers aus dem Haus gejagt, weil er nicht einsah, diesem Herrn seinen Wein gratis auszuschenken.“ 

Dass die Rieslinge von Heinrich Mayer zweifellos das Niveau für jeden Weinführer haben, beweist der 2005er Petersborn Kapertchen Auslese-Riesling mit den drei Sternen. Nach zehn Jahren ist der Riesling taufrisch und ohne Alterungsnoten. Bereits in der Nase inhaliert man die unnachahmliche Symbiose aus Schiefer- und Frucht-Aromen, die süße Mosel-Rieslinge weltweit einzigartig macht. Am Gaumen dann eine von der Schiefer-Mineralik getragene Fruchtexplosion mit Noten nach grünen Äpfeln, Mandarinen, Maracuja, Mango und Papaya. Ein ewig langer Nachhall mit einem leicht bitteren Mandelton und Nuancen von Blutorangenn schließt das Weinerlebnis dieses Rieslings aus dem Ausnahmejahrgang 2005 ab. Ein großer Riesling für kleines Geld.

Die Verkoster der Weinführer sollten nochmals in Zell vorbeischauen.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Oktober 2015

 


1994 Riesling Zell Petersborner Kapertchen Auslese

Weingut Heinrich Mayer, Zell (Mosel)

7 Euro

 

 

 

 

Weinliebhaber sammeln gerne Raritäten aus den Geburtsjahrgängen ihrer Familie. Für ältere Herren empfiehlt sich ein Portwein. Vintage Ports können Senioren mühelos noch zu ihrem 70. oder 80. Geburtstag genießen. Als Hochzeitswein aus dem Geburtstagsjahr der Tochter kann der Brautvater auch einen süßen Mosel-Riesling zurücklegen, vorausgesetzt das Mädchen heiratet nicht erst als Greisin.

Eine wahre Fundgrube für ältere Weine ist der Weinladen des Weinguts Heinrich Mayer in Zell an der Mosel. Auf der offiziellen Weinkarte finden sie auch noch einen Eiswein vom Jahrgang 1975. Der Laden wird zwar hauptsächlich von Tagesausflüglern geflutet, die der nahegelegenen Schiffs-Anlegestelle entströmen. Aber auch für Weinkenner ist das Weingut Heinrich Mayer eine gute Adresse. 

Ich hatte wieder mal Glück. Zum einen hat sich meine Tochter sehr früh getraut, zum anderen war der vor einigen Jahren in Zell an der Mosel gekaufte Riesling nach 23 Jahren noch frisch wie eine Brautjungfer. Trinken sie den Hochzeitswein besser nicht auf dem Hochzeitsfest (dort würde er sowieso nicht für alle Gäste reichen), sondern – wie ich – in einer ruhigen Stunde allein

mit ihrer Tochter. Das Petersborner Kapertchen wurde wegen seiner Steilheit von der Flurbereinigung ausgenommen. Den Schiefer-Terrassen blieb es deshalb erspart, in der berühmt berüchtigten „Schwarzen Katz“ unterzugehen. Nach dem

vorsichtigen Öffnen der 1994er Rarität riecht man schon in der Nase einen wunderbaren Apfelduft. Am Gaumen zeigt die süße Auslese von Heinrich Mayer noch eine erstaunliche Frische und eine präsente Säure. Dominierend sind aber die

wunderbar gereiften und tief intensiven Obstaromen nach Apfel, Birne, Passionsfrucht und Pfirsich. Ein wunderbares Weinerlebnis, bei dem man die gelungene Hochzeitsfeier nochmals reflektieren kann.

 

Übrigens: Im Gegensatz zu einer Hochzeitsfeier ist der Riesling von Heinrich Mayer ein schon fast unverschämt preiswerter Genuss. Deshalb habe ich auch noch eine Flasche in Reserve. Den nächsten runden Geburtstag meiner Tochter wird sie aber wohl nicht erleben. Der Riesling hat jetzt den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Februar 2018