2015  Spätburgunder                                                           

Weingut Klenert, Kraichtal-Münzesheim (Baden)

8 Euro

Nach der überzeugenden Weißwein-Kollektion präsentiert der Münzesheimer Jungwinzer David Klenert nun seine ersten Rotweine aus dem hoch gelobten Jahrgang 2015. Der Newcomer hat in seinem ersten Jahrgang neben einer roten Cuvée und einem Lemberger auch einen Spätburgunder im Programm.

Der 2015er Spätburgunder blubbert in hellem Kirsch-Rot ins Glas. In der Nase kitzeln sanfte Beerennoten und etwas Schoko-Konfekt. Im Mund bestätigt sich der erste Eindruck, dass dieser Burgunder mehr auf weiche Eleganz als auf satte Power setzt. Der feine Spätburgunder ist trotz seiner Jugend bereits trinkreif und lässt den Holzeinsatz nur leicht erahnen. Am Gaumen zeigen sich Aromen nach roten Johannisbeeren und reifen Erdbeeren. Unaufgeregte Lässigkeit und ruhige Harmonie sorgen bei dem Pinot für unbeschwerten Genuss. 

Der Spätburgunder von David Klenert ist ein universeller Speisenbegleiter, der auch in der wärmeren Jahreszeit seine Liebhaber finden wird. Warten Sie also nicht, bis in der Adventszeit der Kamin lodert. Ordern Sie den Spätburgunder bereits jetzt für das nächste Familienfest. Generationen übergreifende Harmonie ist dabei garantiert. 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, August 2016

2014  Spätburgunder

Terra Sigma                                                           

Weingut Bosch, Kronau (Baden)

22 Euro

In der Charisma-Linie präsentiert das Kraichgauer Weingut Bosch seine Spitzenweine. Aktuell ist in diesem Segment der Riesling Lias Epsilon und der Spätburgunder Terra Sigma im Angebot. Beide Weine sind badische Charakter-Weine, die geologische Besonderheiten der Region und die Handschrift des Winzers Andreas Braunecker zum Ausdruck bringen.

Den auf drei regionaltypischen Böden mit Löss, Kalkmergel und Posidonien-Schiefer gewachsenen Spätburgunder Terra Sigma aus 2014 hat Andreas Braunecker 18 Monate im Barrique reifen lassen und unfiltriert abgefüllt. Das überzeugende Ergebnis ist ein in dunklem Rubinrot strahlender Pinot, der schon in der Nase mit rauchigen und kräftigen Noten seine Power zeigt. Im Mund eine komplexe Komposition aus dunklen Beeren, feinbitterer Schokolade und dezenten Schiefer-Noten. Ein harmonischer Burgunder, der engmaschig gewobene Dichte, belebende Würze und kühle Eleganz vereint. Eben ein Charakter-Wein.

Das Weingut Bosch hat mit seinen Rotweinen den sicher nicht ganz einfachen Jahrgang 2014 gut gemeistert. Die bereits vorliegenden 2015er Weißweine lassen für den nächsten Rotwein-Jahrgang eine weitere Steigerung erwarten. Andreas Braunecker ist einer der hoffnungsvollsten Allrounder im Kraichgau. Das Weingut Bosch befindet sich weiter im Aufwind.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Januar 2017


2013

Spätburgunder Obergrombacher Michaelsberg „Elysium“

Weingut Bosch (Edition HP), Kronau (Baden)

29,90 Euro

 

Ich entführe Sie heute ins Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe gehört. Im weitläufigen englischen Landschaftsgarten befindet sich im Bereich Neumarks Garten ein Labyrinth. Wer das düstere, 2010 aufwändig sanierte Labyrinth erfolgreich durchschreitet, erreicht das lichtdurchflutete Elysium: eine beschauliche Wiese, wo nach antiker Vorstellung

die Seligen lagern. Das Elysium war schon in der griechischen Mythologie ein Paradies, das den von den Göttern geliebten Helden vorbehalten war.

 

Wie mystische Helden im Paradies fühlten sich auch die Mitglieder des Vereins für Weinkultur als sie bei ihrer Kraichgau-Weinprobe nach zahlreichen Windungen schließlich den 2012er Spätburgunder „Elysium“ von HP Pott genießen durften. Der im Kronauer Weingut Bosch ausgebaute Pinot war der eindeutige Siegerwein bei den vorgestellten Spätburgundern.

 

Als ich nach der Probe - fast wie einst Menelaos im Elysium - nach Hause schwebte, nahm ich mir vor, bald mit dem raren 2013er Elysium nochmals ins Burgunder-Paradies abzutauchen. Ich fühlte mich als Privilegierter, denn nur besonders Auserwählte erhalten von HP eine Flasche des an 323 Rebstöcken am Obergrombacher Michaelsberg wachsenden Burgunders. Der gerade in allen einschlägigen Weinführern hoch bewertete Pinot, der im Kronauer Weingut Bosch ausgebaut wird, ist auch im kühleren Jahrgang 2013 wieder ein Genuss.

 

Der transparent-rote 2013er Elysium zeigt in der Nase würzige, leicht vegetabile Noten. Am Gaumen feine Struktur mit stabilem Tannin-Gerüst. Die finessenreiche Leichtigkeit mit nur 12,5 % Alkohol sorgt für entspannten Genuss. Leicht rauchige Noten und Aromen nach Waldbeeren und Schokolade vermitteln wunderbare Eleganz. Der harmonische Pinot ist ein idealer

Speisenbegleiter mit reflexartiger Kippfreudigkeit. Ein werthaltiger Schmeichler genau wie sein Schöpfer.

 

Vielleicht sollte ich mich mit meiner 2014er Flasche Elysium nach Wörlitz aufmachen und mich mit dem nektar-ähnlichen Getränk in den Schatten des im 18. Jahrhundert im Elysium gepflanzten Tulpenbaums legen. Zweimal Elysium: das doppelte Paradies.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Januar 2018


2013 Spätburgunder Sasbacher Limburg

Weingut Bercher, Burkheim

(Baden)

22 Euro

 

 

 

Kennen Sie das Kate-Pippa-Phänomen? Jahrelang stürzen sich alle Beobachter auf die berühmte Prinzessin und stellen plötzlich fest, dass die Berühmtheit noch eine interessante Schwester hat. Dieser Effekt lässt sich nicht nur bei Hochzeiten im britischen Königshaus beobachten, sondern auch bei einer profanen Weinprobe im Weingut Bercher am Kaiserstuhl. Bislang schwärmten

alle Weinzähne immer nur vom Großen Gewächs aus dem Burkheimer Feuerberg, wenn es um Spätburgunder des Burkheimer VDP-Weinguts ging. Und plötzlich taucht wie Phönix aus der Asche der Sasbacher Limburg als weiterer Top-Burgunder im Hause

Bercher auf.

 

Asche ist übrigens ein gutes Stichwort, wenn man den 2013er Pinot aus Sasbach beschreibt. Der Sasbacher Limburg gedeiht auf einer Hochebene, die aus Vulkanasche besteht. Dort haben die Berchers Spätburgunder gepflanzt, der eher einem französischen Burgunder als einem badischen Spätburgunder ähnelt. Bereits in der Nase dicht gewobene Rauchigkeit. Am Gaumen folgt straffe und trotzdem voluminöse Komplexität. Vielschichtig umschmeicheln die Aromen nach roten Beeren, Graphit und Tabak den Mundraum. Dichte Mineralik des Limburgits, ein basaltisches Erdgussgestein, und etwas Vanille geben dem Pinot etwas Einzigartiges und Geheimnisvolles. Kate oder Pippa, Feuerberg oder Limburg: die Geschmäcker sind zum Glück verschieden.

 

Ob der Sasbacher Limburg des Weinguts Bercher jemals ähnliche Berühmtheit wie Pippa Middleton erlangt, bleibt abzuwarten. Verdient hätte es der interessante Spätburgunder der Pinot-Spezialisten Arne und Martin Bercher allemal.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2017 


2013 Pinot Noir Hainfelder Kirchenstück                           

Weingut Bernhard Koch, Hainfeld (Pfalz) 

18 Euro

„Haben sie noch einen guten Koch-Wein?“, fragt die gut gekleidete ältere Dame am Ende einer ausgiebigen Verkostung von Spitzengewächsen im Weingut Bernhard Koch. Der junge Mitarbeiter des Südpfälzer Weinguts zögert einen Moment irritiert, ob er die Frage richtig verstanden hat. Aber dann verkauft er dem Ehepaar aus dem Rhein-Neckar-Raum kurz entschlossen noch einen Karton Spätburgunder für 14 Euro je Flasche, deren Inhalt wohl demnächst in einem kurpfälzischen Kochtopf die Lammkeule beglückt. Diese Szene symbolisiert den binnen weniger Jahre vollzogenen Aufstieg des Weinguts Bernhard Koch vom Erzeuger solider, preiswerter Alltags-Weine zum angesagten Premium-Weingut für die Upper Class. Wobei das 47 Hektar große Weingut Bernhard Koch im Basissegment weiterhin gute Tropfen zu günstigen Preisen im Angebot hat. Aushängeschilder der aktuellen Top-Weine sind bei Bernhard Koch die Rebsorten Chardonnay und Spätburgunder, die regelmäßig in den Top 10 des Gault Millau landen. Und natürlich entsprechende Preise haben.

Einen guten Einstieg in die obere Etage des Spätburgunder-Angebots bietet der 2013er Pinot Noir aus dem Hainfelder Kirchenstück. In transparentem Rubinrot lockt der Pinot mit einer rauchigen Nase und dichten Waldbeeren- und Brombeeraromen. Im Mund folgen dann komplexe Noten nach Erdbeeren, Waldbeeren und Cassis. Stilprägend für die Spätburgunder von Bernhard Koch sind aber eine leichtfüßige Eleganz und eine fast schwebende Harmonie. Diese Leichtigkeit fördert mit der gut eingebundenen Säure den Trinkfluss. So endet der Genuss in einem beschwingten und langen Finale.

Im Weingut Bernhard Koch hat sich die Zusammenarbeit mit dem renommierten Weinbauberater HE Dausch ausgezahlt. In kürzester Zeit hat sich das Weingut Koch in der Pfälzer Gebietsspitze etabliert. Dass er bei aller Euphorie über seine Spitzengewächse die Basisweine nicht vernachlässigt, ist dem Aufsteiger hoch anzurechnen.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Mai 2017


2013 Pinot Noir Gladstone                           

Johner Estate, Masterton (Neuseeland) 

18 Euro

Wäre es nicht schön, wenn man jedes Jahr zweimal Trauben ernten könnte? Karl-Heinz und sein Sohn Patrick Johner haben sich diesen Traum erfüllt. Nachdem Karl-Heinz Johner bereits 1985 ein Weingut am Kaiserstuhl gegründet hatte, folgte 2001 Johner Estate in Neuseeland. Und so können die Wein-Globetrotter in jedem Jahr zu zwei Ernten einmal um den Globus reisen. Bei den Rotweinen ist es besonders interessant, die Weine beider Weingüter zu vergleichen. An beiden Standorten wird nämlich Spätburgunder oder Pinot Noir angebaut. Zwar glaubt man durchaus Gemeinsamkeiten der badischen und der neuseeländischen Vertreter zu erkennen, aber natürlich spielt der Standort eine wichtige Rolle.

Der 2013er Pinot Noir Gladstone aus Neuseeland schwappt in sattem Rubinrot ins Glas. In der Nase spürt man bereits unheimliche Power und warme Schokoladen-Noten. Der 14 Monate im Barrique ausgebaute Gladstone zeigt am Gaumen eine kräftige Tannin-Struktur und eine imposante Statur. Eng gewobene Dichte gibt Aromen nach reifen Kirschen und dunklen Waldbeeren frei. Ein Kraftpaket, das jedoch nie überladen oder fett wirkt. Elegante Power auf hohem Niveau. Satter und lang anhaltender Abgang. Der Pinot ist bereits jetzt gut trinkbar, hat aber noch ein großes Entwicklungspotenzial.

Der schöne Pinot Noir weckt das Interesse am Weinland Neuseeland. Vielleicht brauchen die Johners ja für die nächste Lese noch ein paar Erntehelfer.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Oktober 2016


2013  Spätburgunder Reicholzheimer

(1. Lage)                                                     

Weingut Schlör, Reicholzheim (Baden)

15,50 Euro

 

 

Der Verein für Weinkultur betätigte sich mal wieder als „Trüffelschwein“. Kaum war der Herbstausflug des Vereins zum Weingut Schlör in Tauberfranken vorbei, zeichnete der Weinführer Eichelmann das VDP-Weingut mit der „Rotweinkollektion des Jahres“ aus. Selten hat der Weinverein einen Winzer wie Konrad Schlör erlebt, bei dem man die Begeisterung für seinen Beruf so deutlich spüren konnte. Bei einer Rebfläche von nur 6,5 Hektar hat der sympathische Winzer noch alle Schritte der Weinbereitung selbst in der Hand. Obwohl die Schwarzrieslinge leider wieder einmal ausverkauft waren, kehrten die Vereinsmitglieder mit reichlich Wein im Kofferraum nach Hause zurück. Neben den fast schon legendären Schwarzrieslingen überzeugten bei der Verkostung vor allem die Spätburgunder des Weinguts Schlör.

Der 2013er Spätburgunder Reicholzheimer bildet nach der VDP-Klassifikation die 1. Lage. Der Wein zeigt sich in hellem Rubinrot. In der Nase rauchige Noten mit etwas Johannisbeere und Leder. Am Gaumen eine ungemein tiefe Frucht mit einem animierenden Säurenerv des kühlen Jahrgangs 2013. Der Muschelkalk bringt vielfältige Aromen nach Kirsche, Johannisbeere, Wacholder, Schlehe und Zigarre hervor. Stilbildend für die Schlör-Weine ist ihre Eleganz und die fast zarte Komplexität. Ein vielschichtiger Pinot mit gutem Trinkfluss und angemessenem Preis-/Genuss-Verhältnis. Liebhaber von Monster-Rotweinen sind beim Weingut Schlör fehl am Platz. Aber Burgunder-Freunde, die feine Finesse suchen, fühlen sich in Reicholzheim dem Paradies nahe. Wer die Spitze des Spätburgunder-Sortiments von Konrad Schlör erleben will, muss zum Großen Gewächs „Fyerst“ greifen. Das GG ist deutlich teurer, aber auf jeden Fall sein Geld wert.

Konrad Schlör ist der absolute Platzhirsch im Taubertal. In seinem Windschatten werden auch andere Winzer überregional bekannter. Und in den letzten Jahren erleben neben diesen Winzern etwas vernachlässigte Rebsorten wie der Schwarzriesling und der Tauberschwarz eine Renaissance. Tauberfranken ist jedenfalls eine Reise wert. 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Oktober 2016


2012 Spätburgunder Reicholzheimer Fyerst GG

Weingut Schlör, Reicholzheim (Baden)

35 Euro

Nachdem das sympathische Winzer-Ehepaar Schlör letzte Woche angekündigt hatte, meine aktuelle Bestellung ihrer 2015er Spätburgunder und Schwarzrieslinge persönlich bei mir vorbeizubringen, verkostete ich quasi zur Einstimmung ein älteres Großes Gewächs aus dem Reicholzheimer Fyerst. Der Spätburgunder aus 2012 erfüllte wieder einmal die hohen Erwartungen:

Die 1476 erstmals urkundlich erwähnte Weinbergs-Lage „Fyerst“ bietet mit ihren Muschelkalkböden beste Voraussetzungen für Spätburgunder. Bereits die unweit im Kloster Bronnbach siedelnden Zisterzienser-Mönche erkannten die besondere Qualität dieser Lage. 

Der Pinot fließt in kräftigem Rubinrot ins Glas. In der Nase rauchige Noten mit etwas Tabak. Am Gaumen überzeugt das Große Gewächs durch harmonische Eleganz, weiche Tannine und seidige Textur. Tiefe Frucht-Aromen nach Brombeere, Johannisbeere, Waldbeere, Zedernholz und Schokolade prägen den Gesamteindruck. Wie immer beim Weingut Schlör betört die feinnervige Eleganz und eine vielschichtige Finesse. Schöne Länge und ewiger Nachhall wirken lange nach.

Konrad Schlör gehört spätestens seit der Auszeichnung mit der „Rotweinkollektion des Jahres“ im renommierten Weinführer Eichelmann zu den absoluten Top-Adressen der deutschen Rotwein-Szene. Bei den Schwarzrieslingen muss Konrad Schlör in Deutschland ohnehin keine Konkurrenz fürchten. Und auch beim Spätburgunder wird der Parade-Winzer aus dem badischen Taubertal immer stärker. Es scheint sich auszuzahlen, dass in dem kleinen Weingut der Winzer noch alle Arbeitsschritte selbst in der Hand hat.

Ich freue mich schon auf die neu angelieferten 2015er.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, August 2017


2012  Spätburgunder Obergrombacher Michaelsberg „Elysium“                                                           

Weingut Bosch (Edition HP), Kronau (Baden)

 

29,90 Euro

Diesen Spätburgunder umgibt ein Geheimnis: Was ist HP? „Edition HP“ ist kein Werbegeschenk des IT-Konzerns mit gleicher Abkürzung. HP steht vielmehr für Hans-Peter Pott. Der Hobbywinzer ist pensionierter Kriminalbeamter, der in akribischer Detailarbeit das letzte Quäntchen Qualität aus seinen 323 Rebstöcken am Obergrombacher Michaelsberg herauskitzelt. HP kennt jeden seiner Rebstöcke persönlich. Die Lese reicht gerade für ein exklusives Barrique-Fass, das im Kraichgauer Weingut Bosch fachgerecht ausgebaut wird.

Das Ergebnis ist nicht einer dieser verunglückten Selbstverwirklichungsweine, die derzeit als Freizeitbeschäftigung gelangweilter Büroarbeiter Konjunktur haben. Der „Elysium“ ist ein absoluter Spitzenburgunder. So bedauert der Gault Millau 2016, dass das Weingut Bosch den „Elysium“ in diesem Jahr nicht angestellt hat. In den Vorjahren hatte der Weinguide für den Pinot stolze 87 und 88 Punkte vergeben. 

Was der Gault Millau (noch) nicht bieten kann, kann der Verein für Weinkultur Kraichtal schon mal für alle Elysium-Fans liefern:

Der 2012er Elysium funkelt in leuchtendem Rubinrot im Glas. Am oberen Rand bräunliche Reflexe. In der Nase entfaltet sich ein breit gefächertes Aromenspektrum nach mildem Rauch, edlen Gewürzen und frischen Kastanien. Am Gaumen intensive rote Beerenfrüchte, Fleisch, Schlehen, Wacholder und Schokolade. Gut eingebundene Tannine verbinden sich mit einer animierenden Säure zu einem harmonischen Pinot. Ein langer Nachhall vollendet das beeindruckende Geschmackserlebnis.

Spätestens nach zwei Gläsern dieses Prachtburgunders taucht der Genießer ab ins Elysium, das in der griechischen Mythologie als „Insel der Seligen“ beschrieben wird. Auf dieser paradiesischen Insel laben sich die Helden im ewigen Frühling an einem Nektar-ähnlichen Getränk, das ewiges Vergessen allen irdischen Leids verheißt. Nur ganz in der Ferne vernehmen die trunkenen Helden noch ein leises Rauschen, in dem HP mit nicht enden wollenden Elogen die Vollkommenheit seines „Elysium“ rühmt.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, April 2016


2011  Spätburgunder

Bombacher Sommerhalde GG                                                           

Weingut Bernhard Huber, Malterdingen (Baden)

40 Euro

„Ich arbeite im Weinberg auch sehr akkurat. Aber der bei Bernhard Huber geleistete Perfektionismus ist eine Klasse für sich“, schwärmte ein gleichfalls hochdekorierter Kaiserstühler Winzer über seinen 2014 viel zu früh verstorbenen Kollegen. Wenn man dann weiter Erzählungen hört, wie Bernhard Huber kurz vor seinem Tod mit dem Sauerstoffgerät auf dem Rücken noch Spätburgunder-Reben gepflanzt hat, ist zu erahnen, mit welcher Leidenschaft und welch eisernem Willen die Burgunder-Ikone in wenigen Jahren ein Weltklasse-Weingut aufgebaut hat.

Das Weingut Bernhard Huber erzeugt regelmäßig vier Große Gewächse seiner Paradesorte Spätburgunder, in denen die verschiedenen Erscheinungsformen des Muschelkalks der Terroirs herausgearbeitet werden. Die Bombacher Sommerhalde aus 2011 fließt in einem leuchtenden Rubinrot ins Glas. In der Nase zeigt das Große Gewächs intensive Aromen nach Waldbeeren und Brombeeren. Danach folgen etwas Pfeffernuss und rote Johannisbeeren. Im Mund eine feine Mineralik und präsente Säure. Dicht gewobene Struktur und komplexe Noten nach Schwarzkirsche, Eisschokoladenkonfekt, leicht rauchigen Gewürzen und fleischigen Anklängen. Kühle Harmonie und zarte Tannine münden in einen langen Abgang.

Mit gewaltigem Respekt vor der Lebensleistung von Bernhard Huber genießt man den letzten Schluck dieses Ausnahmeweins. Sein Sohn Julian setzt das Werk seines Vaters mit großer Ernsthaftigkeit zielstrebig fort. Der Weinfreund kann zuversichtlich sein, auch in den kommenden Jahren Spitzenweine aus Malterdingen genießen zu können. Für Julian ist natürlich sein Vater Vorbild und Maßstab. Er setzt aber bereits sehr klar eigene Akzente. Der Junior legt neben dem Spätburgunder einen zweiten Schwerpunkt auf Chardonnay. Auch für diese Rebsorte haben die Böden rund um Malterdingen großes Potenzial. So ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren nicht nur Deutschlands beste Spätburgunder, sondern auch die besten Chardonnays aus dem Breisgau kommen. 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juni 2016


2011 Spätburgunder  Malterdinger

Weingut Bernhard Huber, Malterdingen (Baden)

16,80 Euro

Der granatrote Spätburgunder zeigt in der Nase eine intensive Frucht nach roten Johannisbeeren und reifen Brombeeren. Im Mund weitere Geschmacksaromen nach Waldbeeren, Schokolade und rauchige Noten. Bernhard Huber zaubert aus den Muschelkalkböden rund um Malterdingen Burgunder von faszinierender Eleganz. Feine Würznoten, frisches Tannin und fleischige Aromen bilden mit der eindringlichen Frucht einen erstaunlichen Spannungsbogen. Der Burgunder zeigt Finesse und Länge.  Schon der Ortswein von Bernhard Huber bietet eine unglaubliche Tiefe. Und bei Bernhard Huber kommen in der Qualitätspyramide nach dem „Malterdinger“ noch die „Alten Reben“ und vier Große Gewächse aus verschiedenen Lagen. Großartige Qualität zu bezahlbaren Preisen.

Bernhard Huber ist 2014 im Alter von nur 55 Jahren viel zu früh verstorben. Obwohl seine schwere Erkrankung in der Weinszene schon einige Zeit bekannt war, war sein Tod trotzdem ein Schock. Es ist maßgeblich Bernhard Huber zu verdanken, dass deutscher Spätburgunder in den letzten Jahren auch international an der Spitze mitspielen konnte. Wenn man Bernhard Huber bei einer Weinmesse im persönlichen Gespräch für seine Rotweine lobte, nahm er das Lob in seiner bescheidenen Art freundlich entgegen. Aber es war zu erahnen, mit welch kompromissloser und unerbittlicher Akribie Bernhard Huber in den vergangenen

25 Jahren aus dem Nichts Weine von solcher Qualität in die Flasche brachte. Der von der Fachwelt hochdekorierte Winzer sprach dann von 1000 Mosaiksteinen, bei denen Spitzenwinzer bei jedem Jahrgang versuchen, die Qualität bei einer Handvoll dieser Mosaiksteine weiter zu verbessern. Es gibt nur sehr wenige Winzer, denen dies so exzellent gelungen ist, wie Bernhard Huber.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, März 2015


2011 Spätburgunder Kalkmergel

Weingut Knipser, Laumersheim (Pfalz)

17 Euro

Der Norden der Pfalz entwickelte sich in den letzten Jahren zum Rotwein-Paradies. Erheblichen Anteil an diesem Aufschwung hat das Weingut Knipser in Laumersheim mit seinen fulminanten Spätburgundern.

Der rubinrote Spätburgunder Kalkmergel bewegt sich in der Guts-Hierarchie direkt unterhalb der Großen Gewächsen und damit noch in einer verbraucherfreundlichen Preiskategorie. In der Nase entwickelt der 2011 überwiegend aus der Große-Gewächs-Lage Großkarlbacher Burgweg geerntete Wein rauchige Noten mit feinen Himbeeranklängen. Am Gaumen erwartet den Weinfreund ein dichter, eleganter Spätburgunder mit rauchigen Kaffee-Aromen. Daneben schmeckt man Fruchtaromen von Himbeeren und reifen Kirschen. Im Abgang hallt der Spätburgunder sehr lange nach.

Das Weingut Knipser ist das am höchsten dekorierte Weingut der nördlichen Pfalz. Der Weinverein erlebte 2014 in der neu restaurierten Gutsschänke „Halbstück“ der Knipsers eine besondere Weinprobe. Gastgeber Stephan Braun stellte bei einem ausgedehnten Vesper die breite Knipser-Kollektion vor. Das Weiß- und Rotweinangebot fokussierte sich in der Spitze auf die Spätburgunder und Syrah mit unendlicher Länge. Mit dem Weingut Knipser verfügt die Pfalz über ein Weingut , das auch im internationalen Maßstab vorne mitspielen kann.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Februar 2015


2011  Spätburgunder „Alte Reben“                                                           

Weingut Kopp, Sinzheim-Ebenung (Baden)

14,50 Euro

 

Die mittelbadische Ortenau schöpft ihr gewaltiges Potenzial noch nicht vollständig aus. Die Region bietet beste geologische und klimatische Voraussetzungen sowohl für Rieslinge, als auch für weiße und rote Burgunder-Weine. Weiter ergeben sich durch den Generationenwechsel bei vielen Nebenerwerbswinzern gute Entwicklungsmöglichkeiten für neue Weingüter. Diese Chance hat Ewald Kopp frühzeitig erkannt und gründete 1996 in Sinzheim-Ebenung sein eigenes Weingut. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich ein Spitzenbetrieb, der inzwischen von seinem Sohn Johannes Kopp nahtlos weiter geführt wird. In der Toplage Klostergut Feigenwäldchen entstehen mineralische Rieslinge. Aber auch weiße und rote Burgunder vom Weingut Kopp sind charaktervolle Weine mit Wiedererkennungswert. Die besondere Leidenschaft im Weingut Kopp gilt dem Spätburgunder.

Der 2011er Spätburgunder „Alte Reben“ fließt mit granatroter Farbe und violetten Reflexen ins Glas. In der Nase rauchige Noten und später etwas Nelke. Am Gaumen des inzwischen unter dem Namen „Roter Porphyr“ vertriebenen Spätburgunders legen sich Aromen nach roten Johannisbeeren und reifen Brombeeren um den ungemein harmonischen Pinot. Die mineralische Ader und die angenehme Säure geben dem Pinot eine straffe Struktur. Ausbalancierte Entspanntheit und seidige Eleganz vermitteln gelassene Trinkfreude.  Im Abgang herbe Schokolade und grüner Paprika.

Der Spätburgunder stellt das Mittelsegment in der Qualitätspyramide der Kopp`schen Spätburgunder dar. Bereits der Einstiegswein bietet gute Qualität. Und die Lagen-Spätburgunder gehören zur badischen Spitze.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, September 2015


2010  Spätburgunder Dirmsteiner Mandelpfad GG                                                           

Weingut Knipser, Laumersheim, (Pfalz)

39 Euro

Beim Pfälzer Weingut Knipser aus Laumersheim gibt es keine schwachen Jahrgänge. Das in allen Weinführern mit Höchstbewertungen dekorierte Gut bringt jedes Jahr weiße und rote Top-Weine in die Flasche. Der 1876 gegründete Betrieb beschäftigt sich bereits seit den 1980er Jahren mit dem Barrique-Ausbau und hat es inzwischen in dieser Disziplin zur Perfektion gebracht. Die Knipsers verstehen es meisterhaft, den Lagencharakter gerade ihrer Rotweine herauszuarbeiten. Im Dirmsteiner Mandelpfad bewirtschaftet das Weingut Knipsers die absoluten Filetstücke. Der nach Osten geöffnete Talkessel schützt vor kalten Winden und verfügt über eine optimale Sonneneinstrahlung. Der Boden im Mandelpfad besteht aus mit Kalkstein durchsetzter Lößauflage über Kalkstein.

Die Spitzengewächse der Knipsers brauchen Zeit. Man darf nicht den Fehler machen, die Großen Gewächse zu früh zu öffnen. Deshalb verkaufen die Pfälzer ihre hochwertigen Rotweine inzwischen auch erst mehrere Jahre nach der Ernte. Der 2010er Spätburgunder aus dem Dirmsteiner Mandelpfad fängt jetzt erst an, richtig Spaß zu machen. Das Große Gewächs fließt in leuchtendem Rubinrot ins Glas. In der Nase hauen einem die intensiven Kirscharomen fast um. Der Pinot verfügt über eine straffe Struktur mit einem feinen Säurenerv. Ein ungemein imposanter, belebender und frischer Wein, der trotzdem Kraft und Dichte hat. Neben den weiter dominierenden Kirscharomen kommen noch Noten nach Waldbeeren, Minze, Schokolade, Weihnachtsgebäck und Gewürzen hinzu. Der Wein endet mit einem langen Abgang.

Ein Spitzengewächs für die feine Küche. Wenn sie eine Speiseempfehlung zum Mandelpfad suchen, versuchen sie es mit in Spätburgunder eingelegten Rinderfilets und Wirsingpüree. Aber auch solo macht das Große Gewächs eine sehr gute Figur.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Januar 2017


2009 Spätburgunder Burkheimer Feuerberg GG

Weingut Bercher, Burkheim (Baden)

35 Euro

„Dies ist ein Wein für Fortgeschrittene“, empfahl mir Martin Bercher den 2008er Spätburgunder Burkheimer Feuerberg im Vergleich mit dem 2009er seines Großen Gewächses. „Dann bleibe ich lieber Anfänger“, erwiderte ich und kaufte den 2009er. In den einschlägigen Weinführern gehörte der 2009er Spätburgunder des Weinguts Bercher zu den TOP 10 Spätburgundern  in Deutschland.

Der 2009er Feuerberg präsentiert sich nach sechs Jahren in hellem Rubinrot. In der Nase zurückhaltende reife Fruchtaromen. Im Mund die perfekte Harmonie des durch die Flaschenreife gebändigten Vulkangesteins. Sanfte Glut des Feuerbergs,  komplexe Aromenvielfalt nach Beerenfrüchten und kräftigem Fleisch, Schokolade sowie ein Hauch Minze und Schokolade. Idealer Reifegrad, Pinot auf seinem Höhepunkt. Seidige Eleganz, druckvolle Tiefe und Länge. Das Große Gewächs vom Burkheimer Feuerberg ist einer der großen Spätburgunder Deutschlands. Übrigens hat sich auch der 2008er in den letzten Jahren prächtig entwickelt, wie ich bei einer Weinprobe vor ein paar Wochen feststellen konnte.

Das VDP-Weingut Bercher gehört Jahr für Jahr zu den Top-Adressen am Kaiserstuhl. Schon das historische Gutsgebäude aus 1756 in der Burkheimer Postkartenidylle deutet auf seriöse Qualität hin. Im Gutsgebäude bietet Martin Bercher, der zusammen mit seinem Cousin Arne Bercher das Weingut leitet, Verkostungen mit gesteigertem Spaßfaktor. Hintersinniger Humor mit individueller Burgunder-Klasse. Mit Sicherheit komme ich als (hoffentlich) Fortgeschrittener wieder. Denn bereits der Kauf des 2009er war kein Anfängerfehler.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Januar 2016


2006er Spätburgunder Ahrweiler Rosenthal GG                              

Weingut J.J. Adeneuer, Bad Neuenahr-Ahrweiler (Ahr)

35 Euro

Der 2006er Ahrweiler Rosenthal Spätburgunder der Gebrüder Adeneuer ist wie ein Gemälde des holländischen Malers „Jan Vermeer“. Vollkommen und doch geheimnisvoll ist dieser Rotwein eine veritable Schöpfung, eine Sinfonie der Sinne. Atemberaubende Intensität und Vielschichtigkeit sowie  herrlicher Trinkfluss machen diesen Bilderbuch-Rotwein von der Ahr zu einem wahren Meisterwerk. Schade nur, dass man dieses Original nicht an die Wand hängen kann.

Rubinrot und tiefgründig im Glas mit hellen Rändern - gleich Diamantenstaub - verströmt dieser schiefergeprägte  Spätburgunder ein Füllhorn an Düften. Erinnerungen an Schlehe, Waldbeeren ein Hauch von Weichselkirschen und Goji-Beeren werden wach.

Beim ersten Schluck scheint es mir, als ob ein Engelchen mir Manna die Kehle hinunter flößt! Der spannungsgeladene Abgang dann lässt die Welt kreisen, Pinselstrich um Pinselstrich. Das Werk ist vollendet.

Reife süßlich wirkende Früchte, getragen von einer unglaublichen Mineralität mit zupackender Säure machen diesen „Roten“ zu einem einzigartigen Kunstwerk.

Elegant und geschmeidig, ja fast schon sanft anmutend, ist dieses perfekt gereifte Juwel jetzt auf dem Höhepunkt.

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, Juli 2016 (kurz vor dem Italien-Spiel)