2016 Scheurebe & Chenin Blanc

Weingut Bercher, Burkheim (Baden)

16 Euro

Exot vom Original: Wenn man das unverwechselbare Original Martin Bercher in seinem Burkheimer Traditionsweingut am Kaiserstuhl besucht, bekommt man fast immer einen weißen oder roten Burgunder angeboten. Aber der VDP-Winzer hat auch Exotisches im Sortiment: Eine weiße Cuvée aus Scheurebe und Chenin Blanc. Die 1916 von Georg Scheu gezüchtete Scheurebe bringt meist bukettreiche Weine mit Aromen nach schwarzer Johannisbeere und Grapefruit hervor. In Baden gibt es davon nur etwa 50 Hektar. Noch seltener ist in Deutschland der aus Frankreich stammende Chenin Blanc, der aber in Südafrika, Kalifornien, Chile oder Argentinien stark verbreitet ist. In Frankreich findet der Chenin Blanc wegen seiner Säure auch in Schaumweinen Verwendung.

 

Das Weingut Bercher kreiert aus den beiden Rebsorten eine wunderbare Cuvée für den anspruchsvollen Sommergenießer. In der Nase entdeckt der Genießer zunächst komplexe exotische Aromen. Dann öffnet sich die Cuvée am Gaumen mit einem vielschichtigen Spektrum aus Orangenabrieb, reifen Mandarinen, saftiger Grapefruit und Brennessel. Und aus der Ferne taucht auch die schwarze Johannisbeere auf. Dabei vibriert alles zu einem knackigen, druckvollen und unheimlich flott fließenden Edeltropfen. Trinkfreude pur.

 

Nach wenigen Minuten ist klar, wohin man die Kaiserstühler Edel-Cuvée am liebsten entführen will: Auf eine Yacht am Mittelmeer gut gekühlt serviert zu frischen Austern kurz vor Sonnenuntergang. Hoffentlich wird es bald wieder Sommer.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Februar 2018 


2016  Auxerrois                                                           

Weingut Klenert, Kraichtal-Münzesheim (Baden)

 7,50 Euro

Der Münzesheimer Jungwinzer David Klenert konnte mit dem Jahrgang 2016 Auxerrois-Reben des Neuenbürger Weinguts Zorn übernehmen. Beni Zorn hatte sich in den letzten Jahren zum Spezialisten für diese Rebsorte im Kraichgau entwickelt. So bedauerten viele Auxerrois-Fans, dass das Weingut Zorn seinen Betrieb im letzten Jahr eingestellt hat. Spannend war nun die Frage, ob der Newcomer David Klenert mit seinem ersten Auxerrois nahtlos in die Zorn´schen Fußstapfen treten kann. Denn der Kraichgau mit der Spargel-Hochburg Bruchsal braucht besonders im Frühjahr so dringend guten Auxerrois wie ein rostiger Chevrolet die Tankstelle.

 

Und David Klenert liefert aus dem Stand mustergültige Rebsorten-Typizität in bester Zorn´scher Tradition. Der blassgelbe Auxerrios zeigt bereits in der Nase diese leichte, tänzerische Frische mit Veilchen- und Aprikosen-Noten, die Anhänger dieser Rebsorte so lieben. Im Mund ein weiterer Spaß-Wein in typischer Klenert-Stilistik, der Optimismus und Lebensfreude versprüht. Florale Aromen nach blühenden Wiesenblumen und Frucht-Noten wie reife Mirabelle, saftige Aprikose und edle Mango bilden einen fröhlichen Spannungsbogen. Die milde Säure und die spürbare Restsüße verbinden sich zu einem harmonischen Schmeichler, der treue Anhänger finden wird. Münzesheim wird dank David Klenert die neue Pilgerstätte für Auxerrois-Fans. 

David Klenert hat es gleich mit seinem ersten Jahrgang 2015 in den renommierten Weinführer Eichelmann geschafft. Auch in der regionalen Gastronomie sind Klenert-Weine bereits gut vertreten. Deshalb ist es erfreulich, dass der badische Nachwuchswinzer mit dem Jahrgang 2016 seine Rebflächen deutlich vergrößern und sein Sortiment erweitern konnte. Mit dem neuen Auxerrois ist David Klenert auf dem richtigen Weg. Und der Kraichgau atmet auf: Der Spargel kann kommen. 

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Januar 2017 


2016  Müller-Thurgau Esprit                                                         

 Weingut Bosch, Kronau (Baden)

 7,40 Euro

 

Das Winzerdasein ist ein beinhartes Geschäft. Wirtschaftlicher Erfolg hängt nicht allein von der Weinqualität, sondern stark auch von externen Einflüssen ab. Nach dem Hagel im Jahrgang 2013 hat es das Weingut Bosch im Frühjahr 2017 mit erheblichen Frostschäden erwischt. Im Moment kann das Winzerehepaar Nadine und Andreas Braunecker vor allem das erst wenige Wochen alte Töchterchen aufmuntern. Die kleine Lina jedenfalls plagen noch keine Sorgen. Das Baby schläft bei der Frühjahrspräsentation des Weinguts Bosch seelenruhig und tiefenentspannt.

 

Der strahlende Sonnenschein und die hohen Temperaturen lassen die Besucher der Präsentation nach einem leichten Sommerwein Ausschau halten. Die Wein-Fans werden bei den 2016er Weißweinen des Weinguts Bosch schnell fündig: Der aktuelle Müller-Thurgau aus der Esprit-Linie ist der ideale Begleiter für einen warmen Sommerabend. 

 Der gelb-grünliche Müller-Thurgau präsentiert sich in der Nase mit einem interessanten Muskat-/Fruchtspiel. Am Gaumen werden die frischen Muskat-Aromen von feinen gelben Fruchtnoten eingerahmt. Aprikosen- und Mirabellen-Noten kommen zum Vorschein. Die angenehme Restsüße wirkt trinkanimierend und vermittelt spielerische Leichtigkeit. Ein Wein wie eine laue Sommerbrise.

 

Laden sie ein paar Freunde ein. Setzen sie sich auf ihre Terrasse und lassen den Tag mit einigen Fläschchen Müller-Thurgau des Weinguts Bosch ausklingen. So können sie ihren Freunden, aber auch Nadine und Andreas Braunecker eine Freude machen. Denn der Kraichgau braucht auch in Zukunft junge und innovative Betriebe wie das Weingut Bosch. Frost und Hagel brauchen wir in nächster Zeit dagegen nicht mehr.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Mai 2017


2015 Höhlgraben Alte Reben

Grüner Veltliner Kremstal Reserve

Weingut Malat, Kremstal, Österreich 

21 Euro

 

 

Das Gründungsmitglied der Österreichischen Traditionsweingüter, Weingut Malat, betreibt Weinbau seit 1722.

Auf 50 Hektar Anbaufläche, am südlichen Donauufer im Kremstal unterhalb des Stiftes Göttweig gelegen, werden eine Phalanx

erstklassig ausgebauter Rebsorten bepflanzt. Ob Edelstahl, großes Holzfass oder kleine Barriquefässer, im Familienweingut Malat gibt es keine Tabus.

Alle Lagenweine werden spontan vergoren. Handlese, schonendeTraubenpressung sowie penibelste Kellerarbeit sorgen für höchstmögliche Qualität im Glas.

Sicherlich ein Aushängeschild für das Weingut ist der 2015er Grüne Veltliner Reserve, Ried Höhlgraben Alte Reben.

" Eigentlich ein großes Gewächs" verriet mir ein Insider, doch für die bedeutendste und wichtigste Rebsorte des Weingutes, den "Grünen Veltliner", benötigt man auch hochwertige Weine, die früher in den Handel kommen können. Im Glas leicht gelbliche Reflexe, die an die Morgensonne des Kremstales erinnern. Die hierbei entstehenden sogenannten "Kirchenfenster" am dünnwandigen Glas verzücken den Betrachter. In der Nase der Duft einer Sommerwiese nach einem Gewitter, weiße Blumen und ein Hauch Bananenschale. Lässt man den komplexen Wein über die Zunge rinnen, kommt es sogleich zu einer Geschmacksexplosion. Reife Mirabellen, Marillen, Birnen, Quitten sowie reife Bananen verzaubern den Genießer. Beachtenswert ist hierbei die Vielschichtigkeit des Grünen Veltliners, facettenreich und tiefgründig. Der perfekte Holzeinsatz macht den Wein cremig und geschmeidig, nichts ist zu spüren von den sonst unangenehmen grünen Pfeffernoten. Hierbei wirkt der Wein nicht fett, sondern puristisch elegant, ja fast schwerelos.Im Gaumen schließlich der endlose Nachhall, der diesen Wein zu einem Kunstwerk österreichischen Weinbaus macht...

"Chapeau".

 

Weinempfehlung von Heinz Fuchs, September 2017 


2015  Scheurebe Signatur                                                           

Weingut Bosch, Kronau (Baden)

14,50 Euro

 

Andreas Braunecker versteht sich als Allrounder. Der aufstrebende Betriebsleiter des Weinguts Bosch aus dem Kraichgau hat mehr zu bieten als die typisch badischen Burgundersorten. Der Vollblutwinzer hat auch ein Herz für Exoten. Erstmals im Jahrgang 2015 präsentiert der Geisenheim-Absolvent eine im kleinen Holzfass ausgebaute Scheurebe. Von dieser 1922 in Alzey gezüchteten Rebsorte werden in Baden lediglich 50 Hektar angebaut. Nur 300 Flaschen - also das Volumen eines  Barrique-Fasses - hat Andreas Braunecker von dieser Spezialität abgefüllt. In Deutschland kommt die Bukett-Rebsorte vor allem in Rheinhessen und der Pfalz in der edelsüßen Variante vor. Die Bosch-Scheurebe brilliert dagegen mit einem trockenen Geschmacksbild.

Schon in der Nase erkennt der Weinexperte die Scheurebe an ihrem intensiven Duft nach schwarzen Johannisbeeren. Spätestens im Mund wird klar, dass diese Scheurebe deutlich komplexer ist als die meisten Vertreter dieser Rebsorte. Die Johannisbeere ist eng vernetzt mit einem bunten Strauß exotischer Fruchtaromen. Ananas, Maracuja, Pfirsich und Aprikose tanzen um die Wette. Eine kühle und herbe Struktur vereint sich mit komplexem Aromen-Spiel.  Der strukturbildende Holzeinsatz sorgt für satten Trinkfluss. Von dieser Scheurebe kann man mehr als ein Glas trinken.

Gratulation an Andreas Braunecker für das gelungene Experiment. Die Komposition aus Kalkstein-Mineralität, Holz und Fruchtaromen ist perfekt ausbalanciert. Man spürt förmlich die Begeisterung am Weinmachen. Die Signatur-Linie des Weinguts Bosch entwickelt sich zusehends als Markenzeichen individuell ausgebauter Ausnahmeweine. Greifen Sie zu. 300 Flaschen sind schnell verkauft.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Dezember 2016


2015 Sauvignon Blanc S Leimener Herrenberg

Weingut Seeger, (Leimen Baden)

12,50

Wenn sie schon einmal bei der exklusiven Kellerprobe im Weingut Seeger zur Verkostung des neuen Rotwein-Jahrgangs eingeladen waren, kennen sie das Ritual. Zur Begrüßung reicht der Leimener Starwinzer zur Einstimmung entweder einen Sekt oder einen Sauvignon Blanc. Den Sauvignon Blanc hat er nach eigenem Bekunden nur wegen seiner Frau Sanni gepflanzt. Der frische Weißwein ist ihre Lieblings-Rebsorte.

 

Sanni sei Dank. Sonst hätten wir die wunderbaren Sauvignon Blancs S und R aus dem Leimener Herrenberg nie verkosten können. Schon der „einfache“ Sauvignon Blanc S aus 2015 hat eine herrliche Aprikosen-Nase, hinter der etwas verschämt Mango und Ananas hervorschauen. Am Gaumen hält dann der Sauvignon die für diese Rebsorte so wichtige Balance. Nicht grasige Aromen oder – wie in Neuseeland – überbordendes Frucht-Potpourri sind stilprägend, sondern elegante und herbe Frische. Gezügelte Frucht-Exotik nach Aprikose, Maracuja, Mango und Ananas wird eingefasst durch leicht kräutrige Stachelbeer-Noten. Die Frucht wird auch durch die feine Mineralik und die spürbare Säure erfrischend im Zaum gehalten. In dieser Variante ist Sauvignon Blanc eine echte Bereicherung für das Rebsorten-Spektrum in Deutschland.

 

Beim Wein-Trinken kann man fürs Leben lernen: Hört auf eure Frauen. Wir nehmen einen letzten Schluck auf Sanni und Thomas Seeger. Wir trauen es uns bei aller Euphorie über den Sauvignon Blanc kaum zu sagen, aber die folgenden Rotweine der Barrique-Kollektion waren noch besser. Das hatten die Männer erwartet.

 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Mai 2018 


2015 Charta-Cuvée                                          

Weingut Zorn, Kraichtal-Neuenbürg (Baden) 

7,50 Euro

Ein ruhiger Spätherbst-Abend 2015. Nach dem Abendessen schaue ich routinemäßig meine Post durch. Natürlich sind auch Briefe von Weingütern dabei, die vor Weihnachten aktuelle Preislisten versenden. Das Weingut Zorn berichtet von einem sehr guten Jahrgang 2015. Doch dann trifft mich fast der Schlag: „Dies ist der letzte Jahrgang des Weinguts Zorn.“ Aus heiterem Himmel geben Beni und Joe Zorn ihr Weingut in Kraichtal-Neuenbürg auf. Die Besenwirtschaft Guggugsnescht wird von ihrem Vater Fritz Zorn weiter geführt. 

Der Verein für Weinkultur Kraichtal hatte die positive Entwicklung „seines“ Heimat-Weinguts in den vergangenen Jahren mit großer Sympathie begleitet. Gerade mit den letzten Jahrgängen hatte sich Beni Zorn als Auxerrois-Spezialist im Kraichgau fest etabliert. Und er war stolz, in der neu gegründeten Weiße-Burgunder-Charta mit Top-Winzern der Region wie Thomas Seeger und Ulrich Klumpp den nordbadischen Wein überregional bekannter machen zu können. Doch trotz dieser Erfolge scheuten die beiden Junggesellen die hohen und langfristigen Investitionen, die für eine notwendige Betriebserweiterung und eine bauliche Neuausrichtung erforderlich gewesen wären. Die Entscheidung ist für die treuen Kunden zwar schade, aber zu respektieren. Sie verdeutlicht, dass sich Weinbau in Deutschland auf einem wirtschaftlich schwierigen Terrain bewegt. Weiter binden große Investitionen die Lebensplanung junger Menschen auf Jahrzehnte. Die jungen Zorn-Brüder haben viele Interessen auch außerhalb des Weinbaus. Sie zieht es für die nächste Zeit ins Ausland.

Etwas melancholisch öffne ich die letzte weiße Charta-Cuvée des Weinguts Zorn. Die Stimmung bessert sich aber sofort als ich an dem goldgelben 2015er schnuppere. Da ist er wieder: Der Kraichgau-Frühling. Die aus Auxerrois, Grauburgunder und Blanc de Noir zusammengesetzte Cuvée verbreitet duftige Frische. Aromen nach gelbem Steinobst, Mandarine, Melone, Blumenwiese und Quitte verbreiten fröhlichen Trink-Spaß. Die spürbare Rest-Süße sorgt für einen unkomplizierten Genuss. Zum Abschied liefert Beni Zorn nochmal eine Meisterleistung. Zorn-Freunde sollten sich die letzten Flaschen dieses großen Jahrgangs 2015 sichern. Die Weine werden schon in wenigen Monaten eine seltene Rarität sein.   

Der Verein für Weinkultur wird Beni und Joe Zorn als äußerst sympathische und sensible Menschen vermissen. Ihre praktischen Erfahrungen aus Winzer-Sicht eröffneten den Vereinsmitgliedern - meist nur Sessel-gestählte „Bürohengste“ - ganz andere Perspektiven. Wir wünschen den beiden Jungs für ihre neue Lebensphase alles Gute.

Die Weinberge der Zorns werden übrigens von David Klenert und Dominik Zorn weiter bewirtschaftet. David Klenert hat gerade seinen ersten Auxerrois aus dem Jahrgang 2016 abgefüllt. Und so lebt die Auxerrois-Tradition im Kraichgau in neuer Form weiter.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Januar 2017


2015  Cuvée Weiß                                                           

Weingut Klenert, Kraichtal-Münzesheim (Baden)

6,50 Euro

Weiße Cuvées sind der Megatrend in der Kraichgauer Weinszene. Nachdem sich bereits die 2015 gegründete Winzervereinigung „Weiße-Burgunder-Charta“ weiße Cuvées auf ihre Fahnen geschrieben hat, präsentiert nun auch Newcomer David Klenert seine Interpretation dieser Weißweinkomposition.

Die hellgelbe 2015er Cuvée des Weinguts Klenert zeigt in der Nase animierende Muskatnoten, die vom Rivaner herrühren. Im Mund zeigt sich ein intensives Aromenspiel der weiter enthaltenen weißen Burgundersorten und des Rieslings. Florale Noten, Flieder, gelbes Steinobst und wieder Muskat ergeben einen lebendig wirkenden Tropfen. Die merkliche Restsüße gibt dem Wein den Charakter eines modernen Sommerweins. „Easy Drinking“ für überschäumende Partylaune.      

Weiße Cuvées werden in Deutschland eher selten produziert und sind sicher eine interessante Nische. Vorbild können die exzellenten weißen Cuvées aus Südtirol sein. David Klenert beherrscht  das Spiel mit den verschiedenen Rebsorten bereits erstaunlich gut. Er sollte das Experimentieren fortsetzen.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, März 2016


2014  Müller-Thurgau  Escherndorf                                                        

Weingut Horst Sauer, Escherndorf (Franken)

7 Euro

Es adelt den Weltklasse-Winzer Horst Sauer, dass er auch bei seinen Basisweinen mit unheimlicher Akribie und Sensibilität das vorhandene Potenzial der Trauben vollständig ausschöpft. Musterbeispiel für einen außergewöhnlichen Basiswein ist der Müller-Thurgau aus dem sicher nicht einfachen Jahrgang 2014. Natürlich stehen Horst und seiner Tochter Sandra Sauer im fränkischen Escherndorf hervorragende Lagen zur Verfügung. 

In der Nase zeigt der gelbgrüne Müller-Thurgau deutliche Limettennoten. Im Mund folgen feinstrukturierte Aromen nach Apfelschale, Grapefruit, Birne und Aprikose. Umrahmt wird das stimmige Geschmacksbild von einer sortentypischen, aber zurückhaltenden Muskatnote. Insgesamt ein frischer, feinfruchtiger Sommerwein, der in seiner Individualität unheimliche Trinkreflexe hervorruft. 

Der Müller-Thurgau ist natürlich nur ein kleiner – wenn auch gelungener – Vorgeschmack auf die außergewöhnlichen Silvaner und Rieslinge von Horst Sauer. Die grandiose Kollektion gipfelt in seinen legendären edelsüßen Spitzenweinen. Dann spürt man endgültig, mit welchem Elan Horst Sauer bei jedem Wein auf der Suche nach Perfektion ist. 

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Juli 2016


2014  Scheurebe Iphöfer Kabinett trocken                   

Weingut Wirsching, Iphofen (Franken)

9,50 Euro

                                 

 

Die 1916 von Georg Scheu gezüchtete Rebsorte Scheurebe ist in Deutschland im Anbau eher rückläufig. Das fränkische Renommier-Weingut Wirsching pflegt jedoch auch diese Nischenprodukte.

Die trockene Iphöfer Scheurebe aus 2014 bestätigt in der Nase, dass die Scheurebe zu Recht als deutscher Sauvignon Blanc bezeichnet wird.  Dies liegt an den grasigen, kräuterigen Noten. Im Unterschied zum Sauvignon Blanc hat man bei dieser Scheurebe noch die für die Rebsorte typischen Aromen nach schwarzer Johannisbeere im Bouquet. Im Mund entfaltet sich dann ein breites Spektrum wieder mit schwarzer Johannisbeere, Grapefruit, Mango, Litschi, Birne und Limette. Ein interessanter Wein, der sich mit seiner Aromenfülle und der feinherben Säure vorzüglich als Speisenbegleiter zu Fisch und Krustentieren eignet.

Es bleibt zu hoffen, dass das VDP-Weingut Wirsching  seinen Nischenprodukten wie der Scheurebe und dem edelsüßen Rieslaner auch in Zukunft ihren verdienten Platz im Weinsortiment erhält.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, August 2015


2014  Müller-Thurgau                                                          

Weingut Schlör, Reicholzheim (Baden)

6 Euro

 

 

 

Der als Massenträger verpönte Müller-Thurgau wurde in den letzten Jahren sogar unter dem geänderten Namen Rivaner verkauft, um die Rebsorte wieder marktfähiger zu machen. Mit Erträgen von deutlich über 100 Hektolitern je Hektar fristete die Rebsorte lange Zeit ein trostloses Schicksal als Schorle-Wein. Nur wenige Winzer erkannten, dass der Wein nicht durch Namensänderung, sondern durch rigorose Ertragsbeschränkung an Format gewinnen kann. Zu diesen Winzern gehört Konrad Schlör aus dem badischen Tauberfranken. Er keltert aus Müller-Thurgau einen gehobenen „Trinkwein“, der perfekt zu einer zünftigen Vesper passt. 

In der Nase zeigt der im Muschelkalk des Reicholzheimer First gewachsene Müller-Thurgau eine leichte Muskatnote. Im Mund Fruchtaromen nach Stachelbeere, Apfel und Pfirsich. Leicht nussige und pfeffrige Noten treten hinzu. Ein saftiger und sehr gelungener Basiswein für den täglichen Genuss. Man spürt die Akribie, mit der Konrad Schlör aus jedem Wein dessen individuelle Stärken herausarbeitet. 

Der Müller-Thurgau ist der Einstiegswein des VDP-Weinguts Schlör, das auch sehr hochwertige Weiß- und Rotweine im Sortiment hat. Überregional bekannt wurde das Spitzenweingut aus Reicholzheim durch seinen Schwarzriesling. Eine weitere Rebsorte, die Konrad Schlör mit viel Feingefühl wieder ins Rampenlicht gerückt hat.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Februar 2016


2013 Auxerrois Goldrand

Weingut Zorn (Baden) 

12,50 Euro

Diesen Wein finden sie in den üblichen Weinführern (noch) nicht. Der im Barrique ausgebaute Auxerrois des jungen Neuenbürger Weinguts Zorn funkelt goldgelb im Glas. In der Nase typische Mandelnoten mit floralen Anklängen. Die floralen Noten verstärken sich am Gaumen. Der feinfruchtige und gut strukturierte Auxerrois ist mit moderaten 12 % Alkohol und jahrgangsbedingt etwas höherer Säure enorm kippfreudig. Der Wein wirkt trotz Holzeinsatz sehr schlank und macht Lust auf ein zweites Glas. Der Goldrand löst  wie viele Auxerrois Assoziationen nach Frühling aus. Der 2013er Goldrand ist ein würdiger Nachfolger des bislang besten Barrique-Auxerrois des Weinguts aus dem Jahrgang 2009.

Das Weingut Zorn entwickelt sich zunehmend zum Auxerrois-Spezialisten im Kraichgau. Neben dem als „Hochzeitswein“ apostrophierten Goldrand bietet Benedikt Zorn auch die preisgünstigeren Auxerrois-Weine Gutswein und Kreativ an. Die Auxerrois-Weine des Weinguts Zorn sind  ideale Speisenbegleiter für alle Spargel-Gerichte. Das kann im Einzugsgebiet der Spargel-Hochburg Bruchsal kein Nachteil sein.

Weinempfehlung von Manfred Beismann, Mai 2015